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Zeitgeist der weiblichen Stimme im Spielfilm im letzten Jahrhundert
Projektbearbeiter:
M.A. Sabine Weinberger
Finanzierung:
Haushalt;
Im Forschungsprojekt "Zum Zeitgeist der weiblichen Stimme im Spielfilm im letzten Jahrhundert" wird der Frage nachgegangen, wie stark gesellschaftliche, soziale oder kulturelle Einflüsse die Sprechweise und Stimme von Schauspielerinnen im Film und auf der Bühne geprägt haben. Ausgehend von der These der Beeinflussung der stimmlichen Entwicklung von Frauen durch sich über die Jahrzehnte verändernde Rollenbedingungen wird eine Untersuchung von Tonaufnahmen weiblicher Stimmen eines festgelegten Zeitraums innerhalb der Jahre 1930-1999 anhand des Programms Praat vorgenommen. Der entscheidende Parameter, der dabei ausgewertet wird, ist die Höhe der mittleren gespannten Sprechstimmlage und ihre mögliche Veränderung. Ergänzt werden diese Werte durch ihre Zuordnung zur spezifischen Rollengestaltung, die wiederum im Zusammenhang mit den sozialen, gesellschaftlichen und kulturellen Aspekten der verschiedenen Zeitepochen betrachtet wird. Dabei spielen zusätzlich die als gesichert vorausgesetzten Zuschreibungsprozessen bezüglich des Stimmgebrauchs und der Sprechweise eine entscheidende Rolle. Das Tonmaterial bezieht sich dabei auf Aufnahmen von Frauen im Alter zwischen minimal 19 und maximal 39 Jahren. Somit wird ein Zeitraum von ca. 20 Jahren mit möglichen Veränderungen betrachtet, bei dem altersbedingte Faktoren, wie die Entwicklung einer Alters- oder Greisenstimme, nicht von entscheidender Bedeutung sind. Der Abgleich der Stimmen untereinander erfolgt stets im gleichen Altersrahmen, so dass auch hierbei altersbedingte Veränderungen als Ursache möglicher Unterschiede hinsichtlich der Höhe der Sprechstimmlage ausgeschlossen werden können. Das Material bezieht sich auf sehr bekannte Darstellerinnen größerer Filmproduktionen ebenso wie auf unbekanntere Darstellerinnen. Da gerade bei sehr bekannten Darstellerinnen in vielen Fällen das teilweise stereotype Type-Casting ein entscheidender Faktor ist, werden durch diese Vorgehensweise möglichst viele verschiedene Arten von Darstellerinnen und Varianten einer Rollengestaltung erfasst. Zusätzlich werden nur Sprecherinnen deutscher Nationalität berücksichtigt. Sprecherinnen mit z.B. deutsch-österreichischer oder deutsch-schwedischer Herkunft werden nicht in die Untersuchung einbezogen, um den Einfluss von Akzenten und/oder einer für eine andere Nationalität typischen Stimmfärbung auf die Bewertung der Stimmentwicklung auszuschließen. Ebenfalls weitestgehend ausgeschlossen werden aus demselben Grund Sprecherinnen, die einen stark ausgeprägten in deutschen Bundesländern vorkommenden Dialekt sprechen. Eine Studie der Universität Leipzig ergab 2018 eine signifikante Veränderung der Sprechstimmlage bei Frauen. Untersucht wurde dabei eine große Anzahl Leipziger Bürger. Für Frauen im Alter zwischen 40 und 80 Jahren wurde dabei ein Absinken der Sprechstimmlage von ehemals durchschnittlich 220 Hertz auf durchschnittlich 168 Hertz festgestellt, während die bewerteten männlichen Stimmen mit durchschnittlichen Frequenzwerten von 110 Hertz keine deutlichen Schwankungen aufwiesen. Eine übergreifende organische Ursache für diesen Umstand konnte ausgeschlossen werden. Somit wurde innerhalb der Studie geschlussfolgert, dass voraussichtlich gesellschaftliche Gründe die beschriebene Entwicklung beeinflusst haben. Die Ergebnisse des Forschungsprojektes sollen somit einen Beitrag zur Klärung der Frage leisten, ob zum Einen ohne organisch bedingte Ursachen, sondern rein durch gesellschaftliche Gegebenheiten, eine bewusste Absenkung der weiblichen Stimme innerhalb des letzten Jahrhunderts zu beobachten ist und zum Anderen, ob dieser Umstand  für Sprecherinnen aus Gesamtdeutschland festgestellt werden kann.

Kooperationen im Projekt

Kontakt

Prof. Dr. habil. Susanne Voigt-Zimmermann

Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

Philosophische Fakultät II

Institut für Musik, Medien- und Sprechwissenschaften

Emil-Abderhalden-Str. 26-27

06108

Halle (Saale)

Tel.:+49 345 55244617

susanne.voigt-zimmermann(at)sprechwiss.uni-halle.de

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