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Magdeburger Forschungsteam startet Bevölkerungsbefragung zur medizinischen Versorgung in der Altmark
von Sandra Michme

Forschende der Universität Magdeburg rufen Bürgerinnen und Bürger ab 40 Jahren zur Teilnahme an einer regelmäßigen Onlinebefragung auf.

Wie zufrieden sind die Menschen in der Altmark mit ihrer medizinischen Versorgung? Die Medizinische Fakultät der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg startet im Rahmen des Projekts „LäKoSA“ eine halbjährliche Befragung von rund 10.000 Bürgerinnen und Bürgern ab 40 Jahren aus dem Altmarkkreis Salzwedel und dem Landkreis Stendal. Das zuständige Institut für Sozialmedizin und Gesundheitssystemforschung der Universität Magdeburg untersucht, wie die Menschen Zugang zu Ärztinnen und Ärzten, Fachbehandlungen, digitalen Angeboten und Notfalldiensten erleben.
 
Der demografische Wandel und der Rückgang der medizinischen Infrastruktur sind in der Altmark besonders spürbar: weniger niedergelassene Ärztinnen und Ärzte, Versorgungslücken im fachärztlichen Bereich, eingeschränkte Notfallversorgung und lange Wege zu spezialisierten Angeboten. In dem Projekt LäKoSA sollen diese Erfahrungen jetzt systematisch erfasst werden. Prof. Dr. Enno Swart, Projektleiter der Studie, betont: „Wir möchten direkt von den Menschen vor Ort erfahren, wo die Versorgung gut funktioniert und wo sie im Alltag auf Schwierigkeiten stoßen und nachgesteuert werden sollte. Ihre Rückmeldungen sind die Grundlage, um sinnvolle und realistische Lösungen zu entwickeln, die den Versorgungsbedarfen der Bürgerinnen und Bürger genügen.“
 
Wie die Studie abläuft

LäKoSA arbeitet mit einer festen Gruppe von Teilnehmenden, die zwischen 2026 und 2027 zweimal jährlich befragt wird. Dieser Kohortenansatz ermöglicht es, Veränderungen im Zeitverlauf präzise nachzuvollziehen.
 
Die ausgewählten Bürgerinnen und Bürger erhalten zu Beginn des neuen Jahres eine persönliche Einladung per Post sowie Hinweise zur Studienteilnahme. Jede Befragung dauert rund 20–25 Minuten und erfolgt fragebogengestützt; für Personen mit Internetzugang wird eine digitale Teilnahme angeboten.
 
Die Fragen beziehen sich unter anderem auf:
  • Wartezeiten und Terminverfügbarkeit
  • Wege und Erreichbarkeit
  • Erfahrungen in der haus- und fachärztlichen Versorgung
  • Nutzung digitaler Gesundheitsangebote
  • Einschätzung der Notfallversorgung
  • Bereitschaft zur Nutzung neuer Versorgungsformen (z. B. Telemedizin)

Der Fragebogen wurde zuvor in Gesprächsgruppen mit Bürgerinnen und Bürgern getestet und weiterentwickelt. Ergänzend zur regelmäßigen Befragung sind in den nächsten beiden Jahren Workshops und Infoveranstaltungen mit Bevölkerung und regionalen Akteuren vorgesehen, um Rückmeldungen aus der Studie aufzunehmen und aktuelle Entwicklungen der Gesundheitspolitik und neue, z.B. digitale, Versorgungskonzepte zu diskutieren. Um die Ergebnisse einordnen zu können, werden ergänzend amtliche Statistiken und regionale Infrastrukturdaten einbezogen.
 
Eine Herausforderung besteht darin, genügend Teilnehmende zu gewinnen und zur langfristigen Teilnahme zu motivieren. Deshalb setzt das Projekt auf verschiedene Wege der Ansprache – online, über Gemeinden, regionale Einrichtungen und Multiplikatoren. Bürgerinnen und Bürger, die keine Einladung erhalten, aber an der Studie teilnehmen wollen, können sich unter isa-befragung@med.ovgu.de melden.
 
Die Daten sollen politischen Entscheidungsträgerinnen und -trägern helfen, die medizinische Versorgung in der Altmark bedarfsgerechter zu planen – sei es durch mobile Angebote, zusätzliche Öffnungszeiten oder bessere Verkehrsanbindungen. Welche Maßnahmen später umgesetzt werden, hängt von vielen Faktoren ab, unter anderem von Fachkräften, regionaler Organisation und verfügbaren Mitteln. Je mehr Menschen teilnehmen, desto besser können deren Bedürfnisse und Akzeptanz neuer Versorgungsmodelle abgebildet werden.
 
Informationen zum Verbundprojekt und zur Teilnahme an der Befragung finden sich unter https://isa-ummd.de/laekosa/
 
Hintergrund
 
LäKoSA ist Teil des Verbundprojekts „ISA – Implementierungsforschung Sachsen-Anhalt“. ISA untersucht, warum medizinische Verfahren, die wissenschaftlich als wirksam gelten, nur selten ihren Weg in die Praxis finden – aktuell werden durchschnittlich lediglich rund 14 Prozent evidenzbasierter Ansätze umgesetzt. Das Projekt erforscht, welche Bedingungen neue Versorgungsmodelle fördern oder behindern, und bezieht dabei sowohl zukünftige Nutzerinnen und Nutzer als auch Verantwortliche im Gesundheitswesen ein. ISA verankert diese Forschungsrichtung erstmals systematisch in Sachsen-Anhalt, mit besonderem Fokus auf das nördliche, medizinisch und psychosozial unterversorgte Sachsen-Anhalt.
 
Die Studie wird durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) finanziert.
 
Kontakt:
Prof. Dr. Enno Swart, Projektleiter der Studie, Institut für Sozialmedizin und Gesundheitssystemforschung der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, Tel.: +49 391 67 24306, isa-befragung@med.ovgu.de