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Stadt und Residenz
Finanzierung:
Land (Sachsen-Anhalt) ;
Untersucht werden Residenzbildung und die Interdependenzen zwischen Stadt und Hof und Residenzfunktion vom 14. bis zum 17. Jahrhundert im mittel- und südostdeutschen Raum.MATTHIAS MEINHARDT / ANDREAS RANFTDas Verhältnis vonStadt und Residenz im mitteldeutschen RaumVorstellung eines Forschungsprojektesder Historischen Kommission für Sachsen-Anhalt
1. Das Thema und die ForschungslageDie Geschichte des mitteldeutschen Raumes in Mittelalter und Früher Neuzeit wurde durch ein besonders vielfältiges Herrschaftsgefüge geprägt. Allein auf dem Gebiet des heutigen Bundeslandes Sachsen-Anhalt trafen die Interessenssphären verschiedener Linien großer Dynastien, wie die der Wettiner, Askanier und Welfen aufeinander. Geistliche Territorien, wie das Erzstift Magdeburg oder die Bistümer Halberstadt, Merseburg und Zeitz-Naumburg lagen in diesem Gebiet ebenso, wie Fürstentümer und Bestandteile größerer Territorien weltlicher Herren, so etwa die Altmark, Anhalt oder kursächsische Besitzungen. Hinzu kamen noch viele kleinere Herrschaften, etwa jene der Harzgrafen oder die des Reichsstiftes Quedlinburg. Betrachtete man den mitteldeutschen Raum über die Grenzen seiner sachsen-anhaltischen Teile hinaus, so geriete das Bild noch weitaus unübersichtlicher. Landeshistorikern mag diese Vielgestaltigkeit bei der Findung und Eingrenzung ihres Gegenstandes Kopfzerbrechen bereiten, für Residenzenforscher ist sie ein Segen. Sie verdanken dieser außerordentlichen Zersplitterung die Entstehung eines besonders dichten, zeitlich tief gestaffelten Netzes von Residenzen ganz unterschiedlichen Charakters. Die Erforschung dieser Residenzenlandschaft ist in den letzten Jahren merklich in Bewegung geraten. Zu denken ist beispielsweise an Studien von Brigitte Streich oder Karl-Heinz Ahrens, durch die insbesondere die Kenntnisse über Organisation, Struktur und Itinerar wettinischer und askanischer Höfe deutlich erweitert wurden. Darüber hinaus muß hier aber auch erinn ert werden an die Arbeiten von Michael Scholz über die Erzbischöfe von Magdeburg, an Erträge zur frühneuzeitlichen Residenzkultur in Thüringen oder an kunsthistorische Arbeiten, von denen vor allem jene zum mitteldeutschen Schloßbau hervorzuheben sind, die Stephan Hoppe vorgelegt hat. Doch auch wenn diese Arbeiten ohne Zweifel überaus nützlich sind, bleibt ein wichtiges Forschungsfeld bisher weitgehend unbeleuchtet: Gemeint ist hier das Verhältnis von Stadt und Residenz, also das komplizierte Gefüge von Bereicherungen, Wandlungen und Konflikten dieser eng miteinander verflochtenen, aber zugleich auch so verschiedenen historischen Phänomene. Besser, aber längst nicht zufriedenstellend, sieht es für andere Regionen aus. Hans Patze und Gerhard Streich haben schon früh (1982) in ihrem programmatischen Entwurf für eine deutsche Residenzenforschung Stadt, Hof und Residenz als kaum voneinander zu trennende Forschungsaufgaben betrachtet. Ähnlich votierte beispielsweise Klaus Neitmann, als er 1989/1990 den Residenzbegriff zu definieren suchte, oder Arno Weinmann in einer Fallstudie über Braunschweig. Trotz dieser Fürsprecher fällt jedoch auf, daß der stadtgeschichtliche Aspekt innerhalb der Residenzenforschung, namentlich in seiner zentralen Forschungsinstitution, der Residenzen-Kommission der Göttinger Akademie der Wissenschaften, bislang eher eine marginale Rolle gespielt hat. Mehr noch als in ihren Anfängen, hat die Erforschung des Hofes in den letzten Jahren deutlich alle anderen Gesichtspunkte der Residenzenforschung bestimmt, wenn nicht gar überlagert. Dies bedeutet zwar nicht, daß man nichts über die Relation von Stadt und Residenz wüßte. Gerade aus dem Umfeld der traditionelleren, sozial- und wirtschaftsgeschichtlich orientierten Stadtforschung und der Landesgeschichte sind einige unbestritten wichtige und nützliche Arbeiten hervorgegangen. Doch diese Studien sind fast ausnahmslos barocken Residenzstädten des 17. und 18. Jahrhunderts gewidmet.

Anmerkungen

Das Projekt wird zudem aus Haushaltsmitteln finanziert.

Schlagworte

Residenz, Spätmittelalter
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