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Nachrichten sprechen - Nachrichten verstehen. Eine empirische Untersuchung über den Einfluss prosodischer Merkmale auf das Erinnern und Verstehen von Hörfunknachrichten
Projektbearbeiter:
Heiner Apel
Finanzierung:
Haushalt;
Ausgangspunkt dieser Teiluntersuchung im Rahmen des Forschungsprojekts Hörverständlichkeit von Radionachrichten ist die Frage, wie (und ob überhaupt) die sprecherische Gestaltung von Nachrichten im Hörfunk das Behalten dieser Nachrichten beeinflusst. Ziel ist es, sprecherzieherische Thesen zur Hörverständlichkeit von Texten zu prüfen, die sich im Lauf der sprechwissenschaftlichen Fachgeschichte gebildet haben. Damit schließt diese Untersuchung u.a. an die Intonationsforschung von Eberhard Stock (MLU Halle-Wittenberg), die Hallesche Sprechwirkungsforschung  sowie die neuere Prosodieforschung (z.B. durch Baldur Neuber) an. Im Promotionsprojekt wird die Wirkung prosodischer Einflussfaktoren (z.B. Akzentuierung, Melodisierung, Gliederung) sowie die Interdependenz dieser Merkmale mit der sprachlichen (textuellen) Gestaltung auf die Hörverständlichkeit von Nachrichten im Hörfunk untersucht. Hypothese der Untersuchung ist: Nachrichten werden besser hörverstanden und behalten, wenn sie sinnfassend (sinnentsprechend) gelesen werden, d. h.:
  • je Phrase wird nur ein (Haupt-)Akzent realisiert;
  • eine terminale Melodieführung steht am Ende von (längeren) Sinneinheiten;
  • Pausen werden nur zwischen und nicht innerhalb von Sinneinheiten eingefügt;

·         es wird ein angemessenes Sprechtempo verwendet. Auf Basis dieser Hypothesen wurden Teststimuli für die Untersuchung produziert. Im Rahmen der Untersuchung wurde die Wirkung der Stimuli auf das Behalten der in den Nachrichten enthaltenen Informationen durch die Testpersonen getestet. Als Erhebungsmethode wurde zunächst ein Laborexperiment mit konstanten äußeren Bedingungen durchgeführt; dieses kann dann in späteren Untersuchungen mit Variationen der situativen Bedingungen abgewandelt werden. Als Messmethoden kamen freie Wiedergabe und Wiedererkennungstests zum Einsatz. Mit der freien Wiedergabe (Nacherzählung) wird die Behaltensleistung ermittelt, während mit Hilfe Wiedererkennungstests (Multiple Choice-Fragen) das Einordnen der gehörten Informationen fokussiert wird. Die Behaltungsuntersuchung korrespondiert mit der Erfassung einer Selbsteinschätzung der Rezipienten bezüglich der Verständlichkeit der Test-Nachrichten und ihrer eigenen Behaltensleistung. Die anschließende Auswertung der freien Wiedergabe geschieht zum einen anhand metrischer Daten (Zahl der erinnerten Meldungen, Wortzahl der Nacherzählungen), zum anderen gestützt auf eine Inhaltsanalyse zur Ermittlung der in den Nachrichten enthaltenen Informations-Items. Die MC-Fragen werden auf die Richtigkeit der Antworten hin untersucht und mit den Teststimuli in Beziehung gesetzt. Ziel der Untersuchung ist es, den vermuteten Einfluss der prosodischen Gestaltung von Hörfunknachrichten auf das Behalten der Nachrichten durch Rezipienten empirisch zu belegen.  

Anmerkungen
Das Promotionsprojekt ist Bestandteil der Forschungen zur Hörverständlichkeit von Radionachrichten am Seminar für Sprechwissenschaft und Phonetik der MLU Halle-Wittenberg und findet in Kooperation mit dem Landesfunkhaus des MDR in Magdeburg (Redaktionsleitung Nachrichten/Zeitgeschehen: Dietz Schwiesau) und der Universität Saarbrücken (Prof. Dr. Norbert Gutenberg) statt.    

Literatur:

Apel, Heiner / Schwenke, Anna (erscheint 2014): "16.00 Uhr - die Themen": Aktuelle sprechwissenschaftliche Untersuchungen zu Radionachrichten. In: Ebel, Alexandra (Hg.): Aussprache und Sprechen im interkulturellen, medienvermittelten und pädagogischen Kontext. Beiträge zum 1. Doktorandentag der Halleschen Sprechwissenschaft. Halle/Saale. (Reflexionen des Gesellschaftlichen in Sprache und Literatur. Hallesche Beiträge. Bd. 2), S. 11-34.

Mattstedt, Nancy / Apel, Heiner (2011): Medienwirkungen - Methoden ihrer realitätsnahen Messung. In: Bose, Ines; Schwiesau, Dietz (Hgg.): Nachrichten schreiben, sprechen, hören. Forschungen zur Hörverständlichkeit von Radionachrichten. Berlin: Frank & Timme, S. 375-412.

Apel, Heiner / Schwenke, Anna (2011): Grundlagen von Sprach- und Sprechtrainings für Nachrichtensprecher im Hörfunk - empirische Validierung vorhandener Standards. In: Krafft, Andreas; Spiegel, Carmen (Hgg.): Sprachliche Förderung und Weiterbildung - transdisziplinär. Frankfurt u.a.: Peter Lang, S. 177-196. (Forum Angewandte Linguistik, Bd. 51)

Apel, Heiner (2010): Medienwirkungen und Prosodie. Zum Einfluss der prosodischen Gestaltung auf das Verstehen und Behalten von Hörfunknachrichten. In: Pabst-Weinschenk, Marita (Hg.): Medien: Sprech- und Hörwelten. München: Reinhardt, S. 55-59. (Sprache und Sprechen, Bd. 45)

Apel, Heiner (2009): Behalten und Verstehen von Hörfunknachrichten: medientheoretische Hintergründe und empirische Belege zum Einfluss der Prosodie. In: Anders, Lutz Christian; Bose, Ines (Hgg.): Aktuelle Forschungsthemen der Sprechwissenschaft 1: Sprach-, Sprech- und Stimmstörungen / Sprache und Sprechen von Hörfunknachrichten. Frankfurt a. M. u.a.: Peter Lang, S. 89-127. (Hallesche Schriften zur Sprechwissenschaft und Phonetik, Bd. 30)

Schlagworte

Behaltenstests, Hörverständlichkeit, Radionachrichten
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