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Migräneaura=Interaktive Introspektion

Projektleiter:
Finanzierung:
Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) ;
Detailbild zu :  Migräneaura=Interaktive Introspektion
Die Frage nach der Ursache neurologischer Begleiterscheinungen bei Migräne ist von zentraler Bedeutung für eine rational begründete Therapie. Die Symptome der sogenannten Migräneaura werden zunächst nur subjektiv wahrgenommenen, sie können aber durch computergestützte Verfahren weitgehend objektiviert werden. Solche interaktiven Introspektionen haben zum Ziel, die Migräneaura möglichst genau und individuell zu erfassen, z.B. Form und Verlauf wandernder Gesichtsfeldstörungen präzise aufzuzeichnen, und daraus auf die Krankheitsursache zu schließen. Wir untersuchen überwiegend visuelle Störungen, weil es wahrscheinlich ist, dass auch andere sensorische Aurasymptome durch die gleichen neurobiologischen Grundprinzipien entstehen. Eine interaktive Introspektion am Computerbildschirm ermöglicht uns, die Form der visuellen Symptome zu erfassen. Die Ergebnisse können in biologienahe neuronale Netze übersetzt werden, die wiederum virtuelle Vorlagen für weitere computergestützte Introspektion liefern. So entsteht ein evolutionärer Kreislauf, der immer realistischere Computersimulationen, d.h. neuronale Netze, als Diagnosewerkzeug hervorbringt. Die erste Generation der interaktiven Computermodelle implementiert Gehirnfunktionen, bei denen es sehr wahrscheinlich ist, dass sie bei der Erfahrung einer Migräneaura eine Rolle spielen. Zum Beispiel kann man neuronale Verschaltungen in der Großhirnrinde identifizieren, die bei einer Störung einfache geometrische Zackenfiguren im Gesichtsfeld entstehen lassen, ähnlich denen, die ein Migränepatient wahrnimmt. Obwohl die Erscheinungsfromen zumindest einiger Aurasymptome schon heute gut verstanden sind, ist doch deren pathogenetische und physiologische Ursache umstritten. Gegenüber stehen sich eine vaskuläre und eine neuronale Migräneaura-Theorie. Unstrittig ist, dass es zu einer Veränderung des regionalen Blutflusses im Gehirn kommt. Ob diese aber die Aura verursacht oder nur Symptom einer autonomen neuronalen Störung ist, bleibt unklar. Beide Theorien können ähnliche Auraphänotypen erklären, unterscheiden sich aber in ihrer Morphologie. Diese Unterschiede, die Aufschluss auf die Pathophysiologie geben können, werden allerdings auch durch individuelle Faktoren beeinflusst. Wir berücksichtigen nun diese Faktoren im Computermodell durch den Einsatz von Hirnaufnahmen von Patienten mittels Magnet-Resonanz-Tomografie.

Schlagworte

Migräne, Modellierung, Morphogenese, Neuronale Netzwerke, Sehstörungen, Topographie

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