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Die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie (DGG) im Nationalsozialismus. Zur Geschichte einer fachärztlichen Organisation in der Diktatur.
Finanzierung:
Stiftungen - Sonstige;
Es handelt sich bei dem Projekt um die erste Arbeitsphase eines bis 2016 abzuschließenden Forschungsauftrags zur Rolle der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie (heute: Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe, DGGG) während des Nationalsozialismus. Das Vorhaben versteht sich vor dem Hintergrund zuletzt vielfältig intensivierter Forschungen zur Rolle der medizinischen Fachgesellschaften während des Nationalsozialismus einerseits, sowie der 2012 vorgelegten Arbeit zur Rolle der bayerischen gynäkologischen Regionalgesellschaft und baut auf dem inzwischen breit (wenn auch noch nicht vollständig) aufgearbeiteten Vorgang der in der Regel an gynäkologisch-geburtshilflichen Krankenhäusern durchgeführten Maßnahmen von Zwangssterilisierungen nach dem Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses (14. Juli 1933) auf. Gefragt wird nach der Funktion der fachärztlichen Organisationsform, nach den konkreten Vorhaben ihres Vorstands sowie den daran beteiligten Personen, der Rolle der offiziellen Organe und Publikationen der Gesellschaft und dem Umgang mit und den Veränderungen in der Mitgliedschaft (insbesondere die Vertreibung politisch und 'rassisch' unliebsamer Mitglieder). Schwierig ist in diesem Feld vor allem die Quellenlage, da ein Archiv der DGG, das über die entsprechende Vorstandsprotokolle, Korrespondenzen etc. pp. verfügte, nicht existiert.  Die erste Projektphase ist daher der konzentrierten Analyse verschiedener Überlieferungsstränge nach einschlägigen Dokumenten gewidmet. Im Fokus steht dabei zum Einen die Überlieferung der zentralen Behörden auf Reichsebene, die mit Gesundheitsfragen, Gesundheitsgesetzen und der weiteren Organisation der Fürsorge von Mutter und gewidmet waren. Diese sind zum größten Teil im Bundesarchiv verfügbar. Ein zweiter Strang verfolgt die Suche nach und in den Nachlässen, insbesondere von ehemaligen Vorstandsmitgliedern. 

Durch Vorstandsbeschluss vom 22. November 2013 hat die DGGG eine Forschungsgruppe unter der Leitung von Fritz Dross (Magdeburg / Erlangen) mit der Untersuchung der Aktivitäten der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie während des Nationalsozialismus beauftragt. Für eine erste Projektphase (1.1. 31.12. 2014) wurde die Arbeitsgruppe mit 62.000 ausgestattet. Da ein Archiv der DGGG mit einschlägigen Unterlagen für den Zeitraum nicht existiert, war während der Projektierungsphase die Recherche und Konstitution einer soliden Quellenbasis übergeordnetes Ziel. Konkretes Arbeitsergebnis ist ein vorläufiger Aktenplan, der einschlägige Bestände und Einzelarchivalien benennt und grob einschätzt. Weiterhin erstellt wurde eine Mitgliederdatenbank, ein Verzeichnis der Vorstandsangehörigen sowie eine Datenbank aller auf den DGG-Kongressen des Untersuchungszeitraums gehaltenen Vorträge und der Referenten. Eine erste Bilanz wurde in einer Sitzung auf dem DGGG-Kongress im Oktober 2014 in München gezogen.

Schlagworte

Geschichte der Medizin, Gynäkologie, Nationalsozialismus, Zwangssterilisationen

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