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Die rechtliche Stellung der katholischen Kirche im System der Vereinten Nationen

Projektbearbeiter:
Marco Kalbusch
Finanzierung:
Haushalt;
Die katholische Kirche spielt auf vielfältige Weise eine Rolle im öffentlichen Leben eines Staates, einer Gesellschaft, aber auch der internationalen Gemeinschaft. Sie sieht sich selbst als societas perfecta, also eine in sich vollkommene soziale Struktur, die alle notwendigen und angemessenen Mittel besitzt, um ihr Ziel zu erreichen. Als solche tritt sie dem Staat gleichberechtigt gegenüber und beansprucht für sich eine internationale Stellung, zu deren Ausübung sie sich auf die Souveränität des Apostolischen Stuhles beruft, der diese - im Gegensatz zu internationalen Organisationen - nicht von den Staaten herleitet. Während die katholische Kirche zu einzelnen, insbesondere europäischen Staaten seit Jahrhunderten bilaterale Beziehungen unterhält, die aus staatlicher Sicht im jeweiligen Staatskirchenrecht behandelt werden, haben sich seit der Mitte des 20. Jahrhunderts auch multilaterale Beziehungen entwickelt. Die Vereinten Nationen haben seit dem Ende des Kalten Krieges als einzige globale sicherheitspolitische Organisation an Bedeutung gewonnen. Die katholische Kirche unterhält mit der Weltorganisation enge Beziehungen. Der Heilige Stuhl wird, völkerrechtlich umstritten, in der Praxis der Vereinten Nationen als nunmehr einziger Staat mit Beobachterstatus behandelt; dabei unterscheidet er sich von anderen Akteuren wie der palästinensischen Autonomiebehörde und dem Internationalen Komittee vom Roten Kreuz, die zwar Beobachter sind, aber nicht als Staaten behandelt werden. Darüberhinaus haben auch viele kirchliche Nichtregierungsorganisationen Beraterstatus beim Wirtschafts- und Sozialrat der Vereinten Nationen. Diese haben, im Gegensatz zum Heiligen Stuhl, nach heutiger Praxis auf internationalen Konferenzen kein Stimmrecht. Somit stellt sich die Frage, inwieweit sich die katholische Kirche in die Entwicklung von Nichtregierungsorganisationen hin zu Völkerrechtssubjekten einfügen läßt.

Schlagworte

Europäische Union, Heiliger Stuhl, Vereinte Nationen, Völkerrecht

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