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Historische Erfahrung und psychosoziale Lebenssituation von Kriegskindern. Eine interdisziplinäre Studie
Finanzierung:
Fördergeber - Sonstige;
Im Frühjahr 1945 marschierten die Truppen der Alliierten in Deutschland ein. Neun Monate später kamen die ersten „Besatzungskinder“ zur Welt. Schätzungen gehen davon aus, dass im ersten Nachkriegsjahrzehnt etwa 400.000 Kinder geboren wurden, deren Väter Besatzungssoldaten waren; nur in den seltensten Fällen erkannten diese ihre Vaterschaft amtlich an. Die „Besatzungskinder“ trugen ein doppeltes Stigma: Sie waren von unehelicher Geburt und Kinder einer Beziehung mit dem „Feind“. Ihr soziales Umfeld diskriminierte und grenzte sie aus, sie wurden verhöhnt und zuweilen auch körperlich misshandelt. Heute, fast siebzig Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges, beginnen sich Betroffene in öffentlichen und semiöffentlichen Foren zu artikulieren und sich ihrer selbst zu vergewissern. Die Gründe für diese Suchbewegungen liegen im hohen Alter ihrer Mütter und Väter, aber auch im Alter der „Besatzungskinder“ selbst. Das Forschungsprojekt nutzt diese Situation der „egohistorischen“ Offenheit, um drei Kardinalziele umzusetzen: Erstens wird die Beobachtung individualpsychischer und psychosozialer Entwicklungsdynamiken der Besatzungskinder mit der Aufklärung ihrer gesellschaftlichen und politischen Bedeutungshorizonte verzahnt. Zweitens soll ein neuartiges transdisziplinäres Erhebungs- und Analyseinstrument entwickelt werden, welches im Nachgang der Scientific Community für weitere grenzüberschreitende Projekten zur Verfügung stehen wird. Drittens gilt es, die Forschungsbefunde zur Gruppe der Besatzungskinder des Zweiten Weltkrieges zu Gunsten von stigmatisierten und diskriminierten „Kindern des Krieges“ in der Gegenwart und der Zukunft zu deuten und politisch über Expertisen und Regularien wirksam werden zu lassen.

Anmerkungen

Projektleitung gemeinsam mit dem Psychoanalytiker PD Philipp Kuwert (Universität Greifswald) und der Psychologischen Psychotherapeutin PD Heide Glaesmer (Universität Leipzig)

Schlagworte

Kriegskinder
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