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Biochemische, molekularbiologische und immunhistochemische Untersuchungen an myelinisierenden Zellen bei Schizophrenen und an relevanten In-vitro-Modellen
Projektbearbeiter:
G. Keilhoff, U Lendeckel
Finanzierung:
Bund;
Hirnentwicklungsstörungen gelten als eine biologische Grundlage der Schizophrenie(n). In zunehmendem Maße rücken neben den neuronalen Entwicklungsstörungen Dysregulationen in der Gliaentwicklung in den Mittelpunkt des Interesses, wobei der Oligodendroglia als dem Hauptakteur bei der Myelinisierung besondere Aufmerksamkeit geschenkt wird. Eigentlich ist diese Erweiterung des Forschungsansatzes längst überfällig, aber es wird eben zu leicht vergessen, dass Astrozyten und Oligodendrozyten etwa die Hälfte der Gehirnzellen darstellen, dass mehr als 100 Gliazellen auf eine Nervenzelle kommen. Die Myelinisierung des menschlichen Gehirns ist in ihrer Ausprägung einzigartig. Störungen sollten deshalb unweigerlich zu "menschlichen" hirnstrukturellen Veränderungen führen, wie sie z.B. bei schizophrenen und depressiven Patienten immer wieder beobachtet werden. Myelinisierungsdefekte sind zahlreich, man spricht von der "Achillesferse" der Hirnentwicklung. Es ist gut vorstellbar, dass Defekte bei der Isolierung von Nervenfasern aber auch versprengten Fasern zu "Kurzschlüssen" führen, ganz ähnlich denen bei einem technischen Kabeldefekt. Es kommt zum Verlust oder zu Fehlleitungen von Informationen, die reguläre Konnektivität des neuronalen Netzwerkes ist massiv beeinträchtigt. Das gesamte informationsverarbeitende System kann so weit beeinträchtigt sein, dass es bei den Betroffenen zu Störungen des Denkens, des Gefühlslebens, des Ich-Empfindens bis hin zum Verlust der Wirklichkeit führt. Ziel dieses Teilprojektes ist es zu prüfen, ob Störungen der myelinisierenden Zellen Hirn(entwicklungs)anomalien verursachen, die für die Entstehung einer schizophrenen Symptomatik relevant sind. Die Frage wird vergleichend auf molekularbiologischer, proteinchemischer und morphologischer Ebene in vivo und in vitro untersucht und den Befunden an postmortalem Humanmaterial gegenübergestellt. Damit ergibt sich die einzigartige Möglichkeit, gleichzeitig in unterschiedlichen Modellen und Spezies die Schizophrenie-relevanten Veränderungen, einschließlich der Myelinisierung zu bestimmen. Erkenntnisse zu dieser Problematik könnten völlig neue kausal orientierte Therapiestrategien eröffnen, auch wenn eine des Nobelpreises würdige Antwort auf die Frage "Was ist die Pathophysiologie der Schizophrenie?" erst durch eine Anschlussfinanzierung erwartet werden kann.

Schlagworte

Myelinisierung, Schizophrenie
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