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Entwicklung und Erprobung eines neuen, auf konduktiver Erwärmung basierenden hocheffizienten Verfahrens für das Industrie 4.0-konforme Aushärten geschossener, anorganisch gebundener und umweltfreundlicher Sandkerne für die Gießerei-Industrie
Projektleiter:
Finanzierung:
EU - EFRE Sachsen-Anhalt ;
 
EUROPÄISCHE UNION - EFRE -  Europäischer Fonds für regionale Entwicklung
Entwicklung und Erprobung eines neuen, auf konduktiver Erwärmung basierenden hocheffizienten Verfahrens für das Industrie 4.0-konforme Aushärten geschossener, anorganisch gebundener und umweltfreundlicher Sandkerne für die Gießerei-Industrie
Verfahrensprinzip zur Aushärtung des Sandkerns mit Widerstandserwärmung der Gießform
Die Gießereiindustrie steht vor der Herausforderung, ihre Produktionsprozesse nachhaltiger und gleichzeitig wirtschaftlich effizient zu gestalten. Insbesondere die Herstellung geometrisch komplexer Gussteile erfordert den Einsatz sogenannter verlorener Sandkerne. Für deren Fertigung werden organische oder anorganische Bindersysteme eingesetzt. Organische Binder ermöglichen kurze Taktzeiten und eine hohe Produktivität, sind jedoch mit Emissionen, Arbeitsschutzanforderungen und aufwendiger Abluftbehandlung verbunden. Anorganische Bindersysteme bieten demgegenüber ökologische Vorteile, erfordern bislang jedoch energieintensive Aushärtungsprozesse und längere Fertigungszeiten.

Beim konventionellen Anorganik-Verfahren erfolgt die Aushärtung der Sandkerne durch thermische Dehydration. Die Wärme wird dabei über den beheizten Kernkasten und temperierte Spülluft eingebracht. Aufgrund der geringen Wärmeleitfähigkeit des Quarzsandes entstehen insbesondere bei dickwandigen Kernen lange Aufheizzeiten und inhomogene Temperaturverteilungen. Dies kann zu unerwünschter Schalenbildung, Restfeuchte im Kerninneren und nachgelagerten Trocknungsprozessen führen. Gleichzeitig erfordert der Prozess hohe Werkzeugtemperaturen und einen vergleichsweise aufwendigen Werkzeugaufbau.

Ziel des Forschungsvorhabens ist daher die Untersuchung eines neuartigen Ansatzes zur direkten Aushärtung anorganisch gebundener Sandkerne mittels Joulescher Erwärmung. Ausgangspunkt ist die elektrische Leitfähigkeit wasserhaltiger anorganischer Binder. Wird elektrischer Strom gezielt durch die leitfähigen Binderbrücken geführt, kann die Wärme unmittelbar dort entstehen, wo sie für die Wasserabspaltung und die anschließende Aushärtung benötigt wird. Das zugrunde liegende Verfahrensprinzip ist in der zugehörigen Abbildung schematisch dargestellt. Dies soll eine gleichmäßigere Erwärmung des Kernquerschnitts ermöglichen. Zugleich soll der Energieeintrag gegenüber konventionellen, werkzeugseitig beheizten Verfahren effizienter gestaltet werden.
Eine zentrale Voraussetzung für diesen Verfahrensansatz ist ein Kernkastenmaterial, dessen elektrische Leitfähigkeit auf das jeweilige Sand-Binder-System abgestimmt ist. Im Mittelpunkt des Projektes steht daher ein elektrisch leitfähiger, partikelgefüllter Epoxidharz-Verbundwerkstoff, der als funktionelles Kernkastenmaterial eingesetzt werden soll. Neben einer geeigneten Stromführung durch Kernkasten und Sandkern muss der Werkstoff den mechanischen, thermischen und tribologischen Beanspruchungen des Kernschießprozesses standhalten.

Das Forschungsvorhaben untersucht die Eignung dieses Verbundwerkstoffes für den beschriebenen Aushärteprozess und bewertet seine werkstofftechnischen sowie prozessrelevanten Eigenschaften. Die Innovation liegt in der Kombination eines leitfähigkeitsangepassten Kernkastenmaterials mit der direkten elektrischen Erwärmung anorganisch gebundener Sandkerne. Langfristig kann dieser Ansatz zu einer homogeneren, energieeffizienteren und digital überwachbaren Kernfertigung beitragen.
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