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Vergleich von Assessments zur Beurteilung der Sturzgefahr bei Pflegeheimbewohnern
Projektbearbeiter:
Kristin Kriebel, Kuno Hottenrott
Finanzierung:
Haushalt;
HINTERGRUND. Etwa 30% der Menschen in unserer Gesellschaft sind über 65 Jahre alt. Mehr als 50% von ihnen leben in Alters- bzw. Pflegeheimen und stürzen einmal im Jahr, die Hälfte von Ihnen sogar zweimal oder öfter. Die Einschätzung des Sturzrisikos sowie die rechtzeitige Identifizierung sturzgefährdeter Personen stellen deshalb wichtige präventive Maßnahmen dar, um die Mobilität, Selbstständigkeit und Lebensqualität des älteren Menschen zu erhalten. Ziel dieser Untersuchung war es, ein neues posturographisches Messsystem (Interaktives Balancesystem [IBS]) anhand von bereits validierten Assessments (FES-I, Timed Up and Go Test, Motilitätstest nach Tinetti, Chair-Rising-Test, Tandemstand) zur Evaluierung der Sturzgefahr auf seine interne Validität zu prüfen. Damit verbunden war die externe Validierung eines bereits entwickelten posturographischen Sturzindexes (Schwesig, 2006). METHODIK. In die Untersuchung wurden 108 Pflegeheimbewohner im Alter von 51 bis 97 Jahren (Durchschnittsalter: 81.9 Jahre) eingeschlossen. Alle Probanden nahmen zunächst an einer Fragebogenuntersuchung teil, die die Erfassung der Parameter Sturzgefährdung (FES-I), Sturzangst, Unsicherheit im Alltag, Gleichgewichtsstörungen, Sturzhäufigkeit im letzten Jahr sowie die Lebensqualität (SF-12) beinhaltete. Die Untersuchung umfasste zudem die Durchführung posturographischer Messungen (IBS) und verschiedener klinischer Sturzassessments. Des Weiteren ist prospektiv die Erfassung der Sturzhäufigkeit in den letzten 6 Monaten (Zeitpunkt: November 2006) vorgesehen. ERGEBNISSE. Der FES-I (Cutpoint: 35) besitzt die größte Vorhersagekraft für das Sturzrisiko (AUC=0.793), gefolgt vom Timed up and go Test (Cutpoint von 30 s ; AUC=0.704) und dem Frequenzbereich F 1 [0.03-0.1 Hz] der Posturographie (AUC=0.674). Der Tinetti-Test erzielte eine Spezifität von 66% und eine Sensitivität von 62% (AUC=0.472). Der bisher ermittelte Sturzindex F 2-6 zur Identifizierung von sturzgefährdeten und nicht sturzgefährdeten Probanden konnte nicht bestätigt werden. Vielmehr spielen bei Pflegeheimbewohnern der Frequenzbereich F1 (0.03-0.1 Hz) sowie die Synchronisation eine größere Rolle, ohne jedoch hohen Vorhersagewert zu besitzen. Die Sturzhäufigkeit wird nur durch die körperliche Summenscala (Partielles Eta-Quadrat=0.136) des SF 12 abgebildet. Die psychische Summenscala (Partielles Eta-Quadrat=0.001) liefert hingegen keinen Beitrag zur Varianzaufklärung der Sturzhäufigkeit. SCHLUSSFOLGERUNG: Die bisher ermittelten posturographischen Sturzindexe ließen sich nicht bestätigen. Der FES-I mit dem Cutpoint 35 erwies sich in dieser Studie als das geeigneteste Instrument zur Beurteilung der Sturzgefahr, wohingegen der Tandemstand am wenigsten praktikabel.

Schlagworte

Assessments, Pflegeheimbewohner, Sturzgefahr

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