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Die Übersiedlung aus der VR Polen in die DDR in den 1960er Jahren
Projektbearbeiter:
Claudia Schneider M.A.
Finanzierung:
Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) ;
Obwohl die DDR zeit ihres Bestehens ein Auswanderungs- und kein Einwanderungsland war, kam es immer wieder zur unterschiedlich motivierten Übersiedlungen in das Land. Art und Umfang dieser Migrationen waren stets von politischen Intentionen und Entscheidungen der Machthaber abhängig. Die Zuwanderung aus dem sozialistischen Ausland war im ersten Jahrzehnt nach Gründung der DDR nach gesonderten Vereinbarungen etwa mit der VR Polen noch ein Massenphänomen und ermöglichte ca. 50.000 Menschen, zumeist ehemaligen deutschen Staatsbürgern bzw. ethnischen Deutschen die Übersiedlung. Ab 1959 war eine Zuwanderung von Menschen dieser Personengruppe nur noch in Ausnahmefällen möglich. Einen solchen Sonderfall bildete die Übersiedlung und gleichzeitige Annahme der DDR-Staatsbürgerschaft unter der Bedingung des Vorhandenseins von Arbeitsplatz und Wohnung, die von 1964 bis 1986 nach einem speziellen Verfahren praktiziert wurde. Bereits 1964 wurde auf der Grundlage einer Direktive des Ministerrats der DDR 16.500 Einreisegenehmigungen erteilt. Ende der 60er Jahre wurden jedes Jahr ca. 2.000 Personen die Staatsbürgerschaft der DDR verliehen, ab Anfang der 70er Jahr mit stark abnehmender Tendenz, ehe die Aktion 1986 offiziell auf Grund mangelnder Nachfrage beendet wurde. Die Zuwanderer kamen laut der von ihnen gestellten Anträge zu großen Teilen aus Oberschlesien, Danzig und dem westlichen Ostpreußen. Ausgehend von diesen Erkenntnissen soll erstens untersucht werden, welche Entscheidungsprozesse auf Seiten der DDR zu dieser einmaligen Aufnahmeaktion führten. Einzubeziehen sind dabei der wirtschaftspolitische Hintergrund der Suche nach Arbeitskräften zu Beginn der 60er Jahre sowie das Nationalstaatsverständnis. Nachvollzogen werden soll zweitens die Umsetzung der Direktive durch konkretes Verwaltungshandeln inklusive der eventuell sichtbar werdenden Eigendynamik der Verwaltung sowie die notwendigen Anpassungen politischer Forderungen an die gesellschaftlichen Bedingungen. Drittens stehen Überlegungen nach der Art der Zusammenarbeit bzw. der Konflikte zwischen der DDR und der VR Polen in der Frage der deutschen Minderheit im Mittelpunkt, wobei Probleme der Beziehungen beider Staaten im Rahmen des internationalen Systems der Machtblöcke einbezogen werden. Schließlich soll die Frage nach den Auswirkungen der Systemkonkurrenz zur Bundesrepublik in diesem Bereich erörtert werden.

Schlagworte

Geschichte der DDR, Geschichte der Volksrepublik Polen, Migration
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