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Reformation im Wittenberger Land. Beobachtungen zum Wandel in dörflichen Kirchgemeinden des Amtes Wittenberg (1517-1555)
Projektbearbeiter:
Seibt
Finanzierung:
Haushalt;
Der Erfolg der Reformation und ihre weitreichenden Auswirkungen lassen sich nicht allein mit der neuen Glaubenslehre Martin Luthers erklären. Bereits weit vor dem Thesenanschlag in Wittenberg hatten die wettinischen Fürsten ein Instrumentarium entwickelt, die kirchlichen Verhältnisse in ihren thüringischen und sächsischen Territorien umfassend zu beeinflussen und zunehmend unter ihre Kontrolle zu bringen. Dieses sogenannte landesherrliche Kirchenregiment ist eine grundlegende Voraussetzung dafür, dass Luthers Theologie nicht nur von gebildeten bürgerlichen Schichten – vornehmlich in den Städten – rezipiert wurde, sondern ebenso – wenn auch unter anderen Bedingungen – ihren verbreiteten Niederschlag in den dörflichen Kirchgemeinden fand. Für das Wittenberger Kurgebiet hat sich mit den Rechnungslegungen einer Vielzahl dörflicher Kirchgemeinden eine besondere Quellenart erhalten, die die Auswirkungen nicht nur der neuen Theologie, sondern auch der damit einhergehenden administrativen Zugriffsmöglichkeiten widerspiegelt. Verknüpft mit dem Verlauf der gut dokumentierten und u. a. von Luther und Melanchthon seit 1528 durchgeführten Visitationen in diesem Gebiet, die ihren Niederschlag ebenfalls in den Rechnungen finden, soll mit einer problemorientierten Fallstudie der Frage nachgegangen werden, inwieweit die ins Auge fallenden Veränderungen in der materiellen Ausstattung tatsächlich Aussagekraft für einen sich vollziehenden Wandel des kirchlichen Lebens in diesen Dörfern besitzen und welche Differenzierungskategorien hierfür nötig werden. Mit der Einbeziehung der jeweiligen örtlichen Gegebenheiten bis hin zu Alltagsumständen wie Vandalismus, Naturgewalten, Seuchen und Krieg  eröffnet sich ein Blick auf die ersten drei Jahrzehnte der beginnenden Reformation nicht als ein gelenkter Prozess, sondern als ein zwar an administrativen Eingriffen orientiertes, aber letztlich vielschichtiges, langwieriges Geschehen, dass mit dem Übergang des Kurgebiets an die albertinischen Wettiner infolge des Schmalkaldischen Krieges und neuerlichen Visitationen im Anschluss daran keinesfalls seinen Abschluss findet.

Schlagworte

Reformation, Wittenberg
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