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Die Metallurgengräber der Aunjetitzer Kultur
Projektbearbeiter:
Katja Martin M.A.
Finanzierung:
Stiftungen - Sonstige;
In mehreren Untersuchungen konnte der Modulleiter in den letzten Jahren verdeutlichen, daß Prospektion, Metallverarbeitung und -verhandlung einen bedeutenden wirtschaftlichen und sozialen Faktor innerhalb der Glockenbecherkultur darstellten. Prospektion, bergmännische Gewinnung und Verarbeitung von Buntmetallen erforderte erfahrene Spezialisten mit berufsgebundenen technischen Kenntnissen, die sich nicht oder zumindest periodisch nicht an der Nahrungsmittelproduktion beteiligen mußten. Der besondere Status dieser Personengruppe spiegelt sich eindrucksvoll in ihren Gräbern wider. Bezogen auf die bisher bekannten Männergräber der Glockenbecherkultur sind weniger als 2% mit Schmiedewerkzeugen ausgestattet, bei der Schnurkeramik sogar weniger als 0,1%! Aufgrund des restlichen Grabinventars sowie einer meist aufwendigen Grabkonstruktion geben sich diese Bestatteten als Angehörige der gesellschaftlichen Spitze zu erkennen. Modul A9 ist aufbauend auf diesen Vorarbeiten der gesellschaftlichen Rolle des Metallurgen während der Aunjetitzer Kultur gewidmet. Indirekt erhoffen wir uns, dadurch auch »Zugang« zu dem Personenkreis zu gewinnen, der die Gegenstände aus dem Depot von Nebra hergestellt hat.In einem ersten Arbeitsschritt sollen alle potenziellen Metallurgengräber gesammelt und deren Werkzeuge in Verbindung mit dem LfAD (Dr. Wunderlich) und dem Institut für Archäometrie (Prof. Pernicka) metallographisch und trassologisch untersucht werden. Neben Tondüsen handelt es sich vorzugsweise um Ambosse, Rillenambosse und Hämmer aus Stein. Um den metallurgischen Werkzeugcharakter letzterer zu bestimmen, soll das seinerzeit vom Modulleiter in Zusammenarbeit mit der Kreisarchäologie Deggendorf, der Akademie der Wissenschaften in Prag und Brünn und dem Institut für Werkstoffwissenschaften der Universität des Saarlandes entwickelte Verfahren angewendet werden. Benutzt wird ein zerstörungsfreies Verfahren auf Basis der Rasterelektronenmikroskopie mit energiedispersiver Röntgenanalytik. In einem zweiten Schritt soll die gesellschaftliche Bedeutung des auf dieser Basis ermittelten Personenkreises untersucht werden. Für die frühe und klassische Frühbronzezeit wurden bislang wenige Metallurgengräber erkannt. Unklar ist, ob dies vielleicht auf die Abnahme des sozialen Status des Metallhandwerkers in dieser Zeit zurückgeführt werden kann. Wie das Grab von Leubingen andeutet, lassen die wenigen sog. späten Metallurgengräber möglicherweise einen ganz anderen Bezug zwischen Macht, Herrschaft und Metallurgie erkennen. Hier bleibt zu untersuchen, ob in diesem Fall die metallurgischen Werkzeuge nicht eher Symbolcharakter haben.

Anmerkungen

Promotionstipendium

Schlagworte

Aunjetitzer Kultur, Grabbeigaben, Metallurgen, metallverarbeitung
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