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Effekte des therapeutischen Reitens bezüglich Gang und Haltungsregulation
Projektbearbeiter:
Sabine Neumann, David Richter
Finanzierung:
Haushalt;
Hintergrund. Das Pferd ist prädestiniert für die Sitz- und Bewegungsschulung motorisch beeinträchtigter Patienten. Grundlage hierfür ist die dreidimensionale Schwingungsübertragung vom Pferderücken auf den Reiter, wobei das Bewegungsmuster des Rumpfes des Menschen im Gehen vergleichbar ist mit der Bewegung eines Reiters in der Gangart Schritt auf dem Pferd. Fragestellung. Hat das Therapeutische Reiten einen kurz- und langfristigen Effekt auf den Gang und die Haltungsregulation von Personen mit geistigen und/ oder körperlichen Auffälligkeiten? Methodik. 22 Kinder und Jugendliche im Alter von 5-22 Jahren (Durchschnittsalter: 9.69±4.01 Jahre) wurden bezüglich Haltungsregulation posturographisch (Messsystem: Interaktives Balancesystem [IBS]), sowie ganganalytisch (Messsystem: portables Ganganalysesystem RehaWatch) untersucht. Die Untersuchungen erfolgten zu vier Messzeitpunkten [MZP] (unmittelbar vor [MZP 1] und nach der 1. Intervention [MZP 2], nach Abschluss der achtwöchigen Interventionsphase [MZP 3] sowie nach einer Reitpause von sieben Wochen [MZP 4]). Die Intervention fand einmal wöchentlich (Dauer: 30 min) statt und beinhaltete fünf standardisierte Übungen auf dem Pferd. Ergebnisse/Diskussion. Bezüglich der Gangparameter (adjustiertes Signifikanzniveau: p<0.003)  konnten im Interventionszeitraum (MZP 1 vs. MZP 3) tendenzielle Veränderungen in den Parametern Schrittdauer (p=0.009), Schrittfrequenz (p=0.007), Gehgeschwindigkeit (p=0.006) und Aufsetzphase (p=0.007) ermittelt werden. Kurzfristig (MZP 1 vs. MZP 2) verkürzte sich nur die Aufsetzphase signifikant (p=0.002). Die Symmetrie des Gangbildes veränderte sich infolge des Therapeutischen Reitens nicht. Posturographisch (adjustiertes Signifikanzniveau: p<0.01) waren kurzfristig Leistungsabnahmen im visuellen/ nigrostriatalen System (F1: p<0.001) und im somatosensorischen System (F 5-6: p=0.001) zu verzeichnen. Langfristig (MZP 1 vs. MZP 3) sank die posturale Stabilität (p=0.011) und nahm das Niveau der somatosensorischen Funktionsmechanismen (p=0.011) deutlich ab. Schlussfolgerung/Ausblick. Die durchgeführte reittherapeutische Intervention scheint keinen (Haltungsregulation) bzw. nur einen geringen (Gang) unmittelbaren bzw. mittelbaren Einfluss auf die untersuchten Zielvariablen zu besitzen. Verantwortlich hierfür ist u.E. die sehr niedrige Reizhäufigkeit (4-5 Therapieeinheiten innerhalb von acht Wochen) und die geringe Reizdauer (30 min pro Therapieeinheit).

Schlagworte

Ganganalyse, Haltungsregulation, Posturographie, Therapeutisches Reiten

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2010
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2009
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