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"Assoziagrammatik des Denkens" zur Rolle nicht-textueller Schriftspiele in philosophischen Manuskripten
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Finanzierung:
Haushalt;
Philosophie ist zumindest im abendländischen Kulturkontext ein genuin schriftbasiertes Unternehmen. Versucht man die Rolle zu reflektieren, die die Schrift innerhalb der Philosophie spielt, so verengt sich der Fokus jedoch beinahe unwillkürlich auf ganz bestimmte Arten von philosophischen Schriftgebrauchspraktiken von philosophischen Schriftspielen : auf textuelle Schriftspiele. Philosophie selbst wird dann primär als Produktions- und Rezeptionsbetrieb von schriftlichen Texten betrachtet: von Monographien, Aufsätzen oder eventuell noch Wörterbuchartikeln. Demgegenüber möchte ich mit dem Projekt Assoziagrammatik des Denkens anhand von schriftbildlichen Artefakten in philosophischen Manuskripten darauf aufmerksam machen, dass es eben auch Schriftverwendungen in der Philosophie gibt, die kaum oder gar nicht textuell im Sinne einer linearen Abfolge von Sätzen verfasst sind. Der Blick auf eine Reihe von philosophischen Manuskripten zeigt, dass sich Entstehung, Aneignung und Vermittlung von philosophischen Gedanken häufig auch der Operation mit Begriffen, Zitatbruchstücken, Titelwörtern , Überschriften etc. auf der Schreibfläche verdanken. Sie verdanken sich einer graphischen Operation mit Wörtern und Wortgruppen, die gerade nicht linear auf der Fläche arrangiert werden, bei denen es zu Phänomenen wie Über-, Unter- und Nebeneinanderschreibungen ebenso kommt, wie zu Durch- und Unterstreichungen, zu Umrahmungen oder Umkreisungen und zur Einzeichnung von Verbindungslinien zwischen den einzelnen Wörtern/Wortgruppen. Nichttextuelle Schriftspiele auf Manuskriptbögen fungieren oftmals als wichtige philosophische Gedankenlabore, in denen z.B. bestimmte Begriffskonstellationen, Thesen- und Argumentationszusammenhänge skizzenhaft entworfen und schriftbildlich-kartographisch vorgetestet werden. Anhand anderer, im Ansatz eher exzerptiver nichttextueller Schriftspiele in philosophischen Manuskripten sieht man, wie philosophisch Neues dadurch entsteht, dass sich Philosophen fremde Texte oder Diskussionen mit Gesprächspartnern diagrammatisch-schriftbildlich aneignen und diese dabei zugleich variieren und umarbeiten. Die entsprechenden schriftbildlichen Artefakte haben einen epistemischen Mehrwert zunächst erst einmal für die Schöpfer dieser Schriftbilder selber, dann aber auch so die weitergehende These für diejenigen, die versuchen, sich das jeweilige Denken eines Philosophen anzueignen.

Schlagworte

Darstellungsformen von Philosophie, Diagrammatik, Schriftbildlichkeit

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