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CHARAKTERISIERUNG DER WANDSCHUBSPANNUNG VON KAVITATIONSBLASEN
Finanzierung:
Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) ;
Kavitationsblasen erzeugen enorme Kräfte tangential zur Oberfläche, doch die geringen räumlichen und zeitlichen Skalen haben eine detaillierte Untersuchung bislang erschwert. Diese Kräfte müssen bei einer Vielzahl chemischer, biomedizinischer und materialwissenschaftlicher Prozesse berücksichtigt werden. Die Anwendungsbeispiele reichen von der Augenchirurgie bis zur Siliziumwafer-Bearbeitung, von der Sterilisation chirurgischer Instrumente bis hin zu Turbomaschinen. Für all diese Prozesse ist es wichtig, ein grundlegendes Verständnis der Kräfte zu erlangen, die durch die heftige Blasen-Dynamik an einer nahegelegenen Grenzfläche verursacht werden. Während Druckkräfte, die senkrecht auf die Grenzfläche wirken, bereits viel Aufmerksamkeit erhalten haben, sind die durch Viskosität vermittelten und tangential zur Oberfläche wirkenden Kräfte noch kaum verstanden.
Hier werden wir numerische Simulationen und Experimente kombinieren, um die komplexe Strömung zu entschlüsseln, die durch nicht-sphärische oszillierende Blasen erzeugt wird, sowie die dadurch an der Grenzfläche entstehenden Kräfte. Insbesondere werden wir die räumlich und zeitabhängig auf das Substrat wirkende Scherspannung quantifizieren. Um einen besseren Bezug zu Anwendungen herzustellen, werden wir uns nicht nur auf ein flaches Substrat konzentrieren, sondern unsere Untersuchungen auch auf strukturierte Oberflächen ausweiten.
Die Gruppe des Projektleiters führte bereits 2008 die ersten Experimente zur Messung der Scherspannung durch (Dijkink et al., Appl. Phys. Lett 2008). Dort ergaben einzelne laserinduzierte Blasen eine Untergrenze der Wandschubspannung (z. B. der Tangentialkraft) von mehreren tausend Kilopascal. Aktuelle Simulationen seiner Gruppe sagen voraus, dass die Wandschubspannung lokal sogar um eine Größenordnung höher sein könnte als gemessen.
Das erste Ziel des vorliegenden Projekts ist es, schlüssige Antworten auf die zeitabhängige Größe und Verteilung der Wandschubspannung zu liefern. Ein zweites Ziel ist die Modellierung und Messung der auf strukturierte Oberflächen wirkenden Kräfte, um Einblicke in anwendungsrelevantere Situationen zu gewinnen. Der dritte Teil ist die Ausweitung der Untersuchungen auf akustisch angetriebene Kavitation, d. h. auf viele Zyklen von Blasen, die sich einer Oberfläche nähern.
Die Ergebnisse des Projekts sind: (1) die Entwicklung einer neuartigen Technik zur gleichzeitigen zeitlich und räumlich aufgelösten Messung der Wandschubspannung, (2) ein detailliertes Verständnis dafür, wie Blasen viskositätsvermittelte Kräfte an Grenzflächen erzeugen, und (3) experimentell validierte Simulationen, die der Öffentlichkeit über das OpenFOAM-Framework zur Verfügung gestellt werden.
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