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Rhetorik der Versöhnung bei Paulus
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Im Rahmen der rhetorischen Untersuchung der Briefliteratur des Neuen Testaments wird vorausgesetzt, dass die briefliche Mitteilung wesentliche Gemeinsamkeiten mit der mündlichen Kommunikation hat und deshalb unter den Regeln der antiken Rhetorik untersucht werden kann. Auch antike Theoretiker der Briefgattung sehen Gemeinsamkeiten zwischen mündlicher Rede und brieflicher Kommunikation (z.B. Ps.-Demetrios, Typoi Ep. 11/4; Demetrios, de elocutione 223-235; Dio Chrysostomus, Discourse 18.18; Cicero, Qu.fr. 1.1.45, Att. 12.53, fam. 15.19.1 u.ö.). Zu berücksichtigen ist auch die noch wesentlich von Mündlichkeit bestimmte Kultur der Antike.
Ein mögliches Ziel sprachlicher Äußerungen ist es, Spannungen zwischen Personen abzubauen und Streit zu schlichten. Diesem Ziel dienen auch einige Briefe des Paulus (z.B. Röm) oder bestimmte Abschnitte seiner Briefe (z.B. 1.Kor 9; 11; 12-14). Trotz gründlicher rhetorischer Untersuchungen der Paulusbriefe unter dem Aspekt der Versöhnung (z.B. M. M. Mitchell, Paul and the Rhetoric of Reconciliation, Tübingen 1991) sind einige diesem Ziel dienende rhetorische Strategien des Paulus bisher zu wenig beachtet worden. Untersucht werden Methoden, innerhalb eines Briefes (oder einer Rede) zwei gegeneinander stehende Parteien so anzusprechen, dass gegenseitiges Verurteilen beendet wird, dass das gegenseitige Verständnis wächst, dass die Gemeinsamkeiten gestärkt und die Differenzen vermindert werden. Wie kommuniziert Paulus mit Einzelpersonen und Gruppen, zwischen denen es Spannungen durch gegensätzliche Auffassungen oder Handlungen gibt, um die Feindschaft zu beenden? Die Untersuchung zeigt, dass es zur rhetorischen Methode des Paulus gehört, abwechselnd beide Seiten anzusprechen und jeweils die andere Seite aufzuwerten. Es werden außerbiblische Quellen - antike Werke über Rhetorik, aber vor allem antike Briefliteratur - einbezogen, insofern sie Parallelen für die rhetorische Strategie des Paulus bieten. Ziel des Projekts ist es, zum Ve rständnis von Textaussagen und Textstrukturen der neutestamentlichen Briefe beizutragen, die ohne die Kenntnis dieser antiken rhetorischen Strategien unklar bleiben oder fehlgedeutet werden.

Schlagworte

Brief, neutestamentlicher
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