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Rationality or Passions? Implications of Empirical Research in Moral Psychology for the Governance of Institutions in Management Science
Projektbearbeiter:
Matthias G. Will, Prof. Dr. Ingo Pies
Finanzierung:
Haushalt;
In der Management-Literatur gibt es eine ausgeprägte Diskussion über die Einbettung von Unternehmen in der Gesellschaft. In dieser Business und Society-Literatur wird die Frage diskutiert, inwiefern Unternehmen (a) moralisch motivierte Veränderungsimpulse aus der Gesellschaft aufnehmen (können) und (b) wie Unternehmen selbst aktiv zur gesellschaftlichen Entwicklung beitragen können. Die erste Literatur (Social Issues in Management) und beschäftigt sich im Kern mit der Frage, wie verschiedene Stakeholder auf bestimmte Unternehmenspraktiken bzw. deren Veränderung reagieren. Die zweite Literatur fragt (Business and Society), ob Unternehmen als Nachhaltigkeits- oder sogar als politische Akteure einen Beitrag zur Weiterentwicklung von gesellschaftlichen und politischen Institutionen leisten können.

In beiden Literaturen sind Dialoge mit Stakeholdern von zentraler Bedeutung, und zwar zum einen als Impulsgeber für Veränderungen und zum anderen als wichtige Partner für die Initialisierung und Aufrechterhaltung von Veränderungsprozessen. Aus der Management-Perspektive bleibt jedoch bisher die Frage offen, wie Unternehmen konstruktive Stakeholder-Dialoge und -partnerschaften führen können.
 
In der jüngeren empirischen Moralforschung wird die Bedeutung von Emotionen bei der moralischen Urteilsfindung von Individuen diskutiert (vgl. z.B. Greene et al 2001, Greene and Haidt 2002, Paxton et al. 2012 u.v.m.). Eine wichtige, empirisch gestützte Erkenntnis der psychologischen Moralforschung lautet, dass Individuen moralische Urteile nicht rational gesteuert fällen, sondern auf Basis von evolutorisch geprägten Emotionen. Rationalität kommt lediglich ins Spiel, wenn sich Individuen darum bemühen, ihre emotional gefällten Urteile zu begründen. Im Hinblick auf moralische Urteile kommt die Vernunft insofern nicht ex ante, sondern ex post zum Tragen. Diese Ex-Post-Rationalisierung kann die Dynamik von Dialogen beeinflussen, etwa wenn Dialogteilnehmer lediglich auf Dialogbeiträge reagieren, anstatt pro-aktiv zu interagieren.
 
Diese empirischen Erkenntnisse haben weitreichende Folgen für die Managementforschung auf dem Gebiet von Business and Society. Die These des Projekts lautet: Das Management von Unternehmen muss sich darauf einstellen, Diskurse mit gesellschaftlichen Stakeholdern so zu institutionalisieren, dass Raum für Rationalität geschaffen wird, weil emotionale Reaktionen von Stakeholdern die unternehmerische Wertschöpfung empfindlich stören können. Daraus ergeben sich zwei Stoßrichtungen für die Managementforschung, die im vorliegenden Projekt konzeptionell untersucht und mit Case-Studies illustriert werden: Unternehmen können (a) Institutionen für individuelle Stakeholder-Dialoge verbessern und (b) Beiträge für die Institutionalisierung gesellschaftlicher (Multi-)Stakeholder-Dialoge leisten.

Schlagworte

Empirical Psychology, Institutional Economics, Management Science, Moral Judgment
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