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Facettentheoretische Fundierung der sozialen Intelligenz, leistungsbasierte Diagnostik und Validierung des Konstrukts
Projektbearbeiter:
Christiane Karthaus, Dipl-Psych. Jessica Strien, Dipl. Psych. Melanie Baumgarten
Finanzierung:
Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) ;
Ziel des Projektvorhabens war es, das Konstrukt soziale Intelligenz leistungsbasiert messbar zu machen und seine Eigenständigkeit im nomologischen Netzwerk etablierter Fähigkeitskonstrukte zu belegen. Auf der Grundlage einer Literaturübersicht wurde zunächst ein facettentheoretisch fundiertes Strukturmodell mit den Subkonstrukten soziales Verständnis, soziales Gedächtnis, soziale Wahrnehmung, soziale Flexibilität und soziales Wissen entworfen sowie ein Rahmenmodell sozialer Kompetenzen, das die Beziehungen der sozialen Intelligenz zu verwandten Konstrukten beschreibt. Zur Messung wurde in der Folge ein multimedia­basierter Leistungstest entwickelt, dem fast ausschließlich reales Stimulusmaterial zugrunde liegt. Das Aufgabenmaterial wurde auf Basis einer Taxonomie sozialer Situationen ausgewählt, um eine möglichst breite Palette sozialer Situationen in den Aufgabeninhalten abbilden zu können. Zu gleichen Anteilen wurde verbales (schriftlich und auditiv) und nonverbales (bildhaft und filmisch) Material verwendet. Die Aufgaben wurden in mehreren Untersuchungen psycho­metrisch überprüft, validiert und sukzessive weiter entwickelt. Die aktuelle Version der Testbatterie steht als Magdeburger Test zur sozialen Intelligenz (MTSI-3;Süß, Seidel, Weis, Baumgarten, Karthaus, Nötzold & Strien, 2009) zur Verfügung. Ausgewählte Ergebnisse: Die fünf Subtests wiesen mit Ausnahme der Skala soziales Verständnis befriedigende bis gute psychometrische Kennwerte auf. Für letzteres Teilkonstrukt wurde daher zusätzlich ein Expertenscoring erstellt. Das postulierte Gesamtmodell wird durch die Daten nicht gestützt. Die Subtests waren untereinander nicht konsistent korreliert, was gegen die Annahme eines generellen Konstrukts der sozialen Intelligenz spricht. Soziales Verständnis und soziales Wissen waren zwar substanziell korreliert, nicht aber mit den übrigen Subkonstrukten. Soziales Verständnis und soziales Wissen waren zudem unabhängig von akademischer Intelligenz, allgemeinem Wissen und Persönlichkeitseigenschaften. Dieser Befund konnte repliziert werden. Da die Messkonzepte der beiden Subkonstrukte keine Methodenvarianz teilen, stützen diese Befunde ihre Konstruktvalidität. Soziale Wahrnehmung, soziales Gedächtnis und soziale Flexibilität waren untereinander ebenfalls korreliert, noch stärker aber mit der akademischen Intelligenz. Nach statistischer Kontrolle der akademischen Intelligenz als Varianzquelle waren fast alle Zusammenhänge nicht mehr signifikant, was die Eigenständigkeit der drei Konstrukte in Frage stellt. Zeitliche Stabilität über mehr als ein Jahr konnte für alle fünf Subkonstrukte aufgezeigt werden. Die Werte für soziales Gedächtnis und soziales Wissen erreichten dabei fast die der akademischen Intelligenz. Insgesamt erfüllt nur soziales Verständnis alle Kriterien, die für neue Intelligenzkonstrukte formuliert wurden. Was noch fehlt, ist der Nachweis prädiktiver Validität an relevanten Außenkriterien. Für Studien zu diesem Themenkomplex werden noch Kooperationspartner gesucht.

Anmerkungen

Das Projekt wurde mit Unterbrechungen seit Oktober 2003 gefördert.

Schlagworte

akademische Intelligenz, emotionale Intelligenz, praktische Intelligenz, soziale Intelligenz

Kooperationen im Projekt

Publikationen

2008
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2007
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2006
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2005
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Kontakt

weitere Projekte

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