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Umsetzung regionaler Schutzmaßnahmen und Entwicklung eines neuen überregionalen Artenschutzkonzeptes für die nationalen Verantwortungsarten: Flussperlmuschel (Margaritifera margaritifera) und Malermuschel (Unio pictorum)

Finanzierung:
Bund;
Innerhalb des Projektes sollen Konzepte entwickelt werden, die zu einem sich selbst erhaltenden Bestand der beiden gefährdeten bzw. vom Aussterben bedrohten Großmuschelarten (GMA), Malermuschel (Unio pictorum) und Flussperlmuschel (Margaritifera margaritifera), führen sollen. Die wenigen heute noch vorhandenen rezenten Bestände sind aufgrund fehlender Reproduktion häufig stark überaltert, in ihrem Vorkommen isoliert und daher häufig genetisch verarmt.
Anekdotische Informationen legen nahe, dass ein verringertes Wachstum der juvenilen Muscheln sowie eine erhöhte Mortalität auf eine schlechte Nahrungsversorgung zurückzuführen ist. Die Jungmuscheln beziehen über das Sickerwasser aus angrenzenden Wiesen die Feindetritus-Nahrung, welche im Gewässer weiter durch mikrobielle Besiedlung konditioniert wird. Es gibt in der Literatur bisher allerdings keine wissenschaftlichen Daten zur Futteraufnahme sowie zur Größe, Qualität und Quantität der potentiellen Nahrungsressourcen der juvenilen Maler- oder Flussperlmuscheln.
Zur Identifizierung der Nahrungszusammensetzung der Maler- oder Flussperlmuscheln werden klassische Nahrungsanalysen durchgeführt, sowie Analysen zur stabilen Isotopensignatur (C/N). Diese werden kombiniert mit molekularen Analysen zur Charakterisierung des Mageninhaltes bzw. Kiemenapparates. Alle Untersuchungen werden dabei in Relation zu dem Nahrungsangebot durchgeführt. Die Analyse der potentiellen Nahrung erfolgt nach quantitativen (Menge) und qualitativen Kriterien (Nahrungsgüte, Größenverteilung, Herkunft, mikrobielle Komposition).
Neben Untersuchungen an den Fließgewässerhabitaten wird in Labor- und Mesokosmen-experimenten die Filtrierrate der GMA, die Assimilation (Aufnahme von C- und N-Isotopen in körpereigenes Gewebe der Muscheln) sowie die Sekundärproduktion ermittelt. Die Nahrungs- und Fitnessanalysen werden in Bezug zu Einzugsgebiet- und Uferranddaten sowie in Bezug zu abiotischen Kriterien ausgewertet. Zusätzlich zu den Freilandergebnissen werden die Laborexperimente unter standardisierten Bedingungen Einblick über den Einfluss abiotischer Kriterien (wie Trübstoffgehalt, Temperatur) auf die Nahrungsaufnahme und das Wachstum geben.
Alle Ergebnisse werden durch die TU Dresden für die Optimierung der Schwellenwerte eines zu etablierenden Entscheidungshilfewerkzeugs (EHW) genutzt, sowie für die Entwicklung eines Systems zur Bioindikation.
Zusammen mit der TU Dresden wird die Bioindikation an allen Gewässern durchgeführt in denen die Umsetzungspartner Bestandsstützungen oder Wiederbesiedlungen durchführen, um diese Maßnahmen zu evaluieren. Um das Überleben der juvenilen Stadien im Interstitial quantifizieren zu können, wird ein Bestandsmonitoring durchgeführt. Die Methoden zum Bestandsmonitoring von GMA sind in Ansätzen bereits bekannt, aber bisher weder standardisiert noch verbessert worden. Für eine Optimierung werden daher u.a. verschiedene Markierungsmethoden der juvenilen GMA nach dem Re-capture Prinzip getestet.

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