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Sozialer Wandel und Gewaltkriminalität, 1950-2000. Deutschland, England und Schweden im Vergleich
Projektbearbeiter:
M.A. Christoph Birkel
Finanzierung:
Bund;
Es soll die Kriminalitätsentwicklung in drei europäischen Ländern (Deutschland, England, Schweden) in der zweiten Hälfte des 20. Jh. vergleichend untersucht werden. Um Besonderheiten der Entwicklung der Gewaltkriminalität besser identifizieren zu können, werden punktuell auch andere Deliktarten (insbesondere verschiedene Formen der Eigentumskriminalität) in die Betrachtung mit einbezogen. Dabei werden die Jahre zwischen 1950 und 1960 nicht als "Nullpunkt" angesehen; vielmehr sollen wesentlich weiter zurückreichende Entwicklungslinien, sofern sie kriminalhistorisch bereits aufgearbeitet worden sind, mit einbezogen werden (dies gilt insbesondere für die Homizidraten). Es geht zunächst darum, auf der Basis vorhandener Datenbestände die Entwicklungsverläufe verschiedener Deliktarten, getrennt für einzelne Täter- und Opfergruppen, unterschiedliche regionale Einheiten und Siedlungsstrukturen, zu rekonstruieren. Informationen aus Opferbefragungen und "crime surveys" (soweit vorhanden) sollen für Modellrechnungen über mögliche Veränderungen im Verhältnis von Hell-/Dunkelziffern genutzt werden, ebenso Informationen über Veränderungen im Strafrecht und in der Strafverfolgungspraxis. Außerdem sind Gruppenkompositionseffekte, die sich aus demografischen Veränderungen ergeben, zu berücksichtigen. Es soll sodann untersucht werden, inwieweit parallel oder invers verlaufene Veränderungen in den sozialen Strukturen, aber auch bestimmte politische Konfliktkonstellationen für eine ursächliche Erklärung der Trendverläufe in den Kriminalitätsraten in Frage kommen. Dazu wird ein Kategorienschema vorgeschlagen, das vor allem von den Arbeiten Emile Durkheims und Norbert Elias` inspiriert worden ist. Zentrale Konzepte sind hier Annahmen über die Erosion des staatlichen Gewaltmonopols, strukturell induzierte Diskrepanzen zwischen dem nachgefragten und dem individuell erreichbaren Niveau an Selbststeuerung sowie eine Typologie "normaler" und "pathologischer" Integrationsform en. Positiv werden Integrationspotentiale und -bedingungen unter dem Konzept des "kooperativen Individualismus" zusammengefaßt, abweichende Tendenzen in Richtung Desintegration als "egoistischer Individualismus", "Anomie" und "regressiver Kollektivismus" charakterisiert. Einen für dieses Analyseschema geeigneten Satz von Makro-Indikatoren zusammenzustellen bzw. neu zu konstruieren, ist ein wesentliches Anliegen des Projekts. Daraus dürften sich auch Vorschläge für die Sozialberichterstattung gewinnen lassen. Das Projekt ist Teil des Verbundes "Desintegrationsprozesse - Stärkung von Integrationspotentialen einer modernen Gesellschaft".

Anmerkungen

abschließende Buchpublikation: Thome, H. / Birkel, Ch., Sozialer Wandel und Gewaltkriminalität. Deutschland, England und Schweden im Vergleich, 1950 bis 2000, Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften, Erscheinungstermin Sommer 2006

Schlagworte

Wandel, sozialer
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