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Rüstung und Rüstungskontrolle in Südasien
Projektbearbeiter:
Jens Heinrich
Finanzierung:
Land (Sachsen-Anhalt) ;
Die qualitativen und quantitativen Aufrüstungsprozesse Indiens, Chinas und Pakistans werfen die Frage auf, wie solche Entwicklungen zu steuern sind, damit die Wahrscheinlichkeit, dass es zu einem Einsatz der Gewaltmittel kommt, verringert wird.
Ein Ansatz, der in den späten 1950er Einzug in den wissenschaftlichen Diskurs hielt und besonders von der U.S.-amerikanischen Regierung unter Präsident Kennedy verfolgt wurde, ist die Rüstungskontrolle. Die Vertreter der Rüstungskontrolle gingen davon aus, dass das bestehende Konfliktpotential zwischen den USA und der Sowjetunion durch die  Rüstungsdynamik weiter verstärkt wird. Ihre Hauptsorge bestand darin, dass die Rüstungstechnologie selbst Anreize schaffe, das zur Verfügung stehende Waffenpotential einzusetzen. Daneben wurde auch die Kriegswahrscheinlichkeit durch Fehlinterpretation und technisches Versagen zum Gegenstand rüstungskontrollpolitischer Untersuchungen.

Rüstungskontrolle hat nach dem Ende des Kalten Krieges zwar nicht an Relevanz verloren, aber doch eine Gewichtsverlagerung hin zu multilateralen Rüstungskontrollverträgen erfahren, die nicht selten das Ziel der Abrüstung verfolgen. Indien, China und Pakistan ließen sich  bisher nicht vom Rüstungskontrollregime in ihren Modernisierungsbestrebungen begrenzen. Besonders Indien und Pakistan reagieren immer wieder mit einer Abwehrhaltung, wenn es um formelle Rüstungskontrolle geht. Nicht zuletzt das Gefühl der Diskriminierung spielt dabei eine Rolle.

Ein Feld, das bisher nur vereinzelt untersucht wurde und sich eher durch eine isolierte Betrachtung der drei Atommächte Indien, China und Pakistan auszeichnet, ist die einseitige Rüstungskontrolle. Einseitige Rüstungskontrolle sieht vor, die Sicherheitswahrnehmungen der beteiligten Akteure zu identifizieren und als Ausgangspunkt für Stabilisierungsmaßnahmen zu nutzen. Dieser, auf Thomas C. Schelling (1962) zurückgehende Ansatz teilt mit den formali-sierten Ansätzen zwar das Ziel der Stabilisierung und die Einsicht in die Notwendigkeit einer Kooperation, geht aber gleichzeitig davon aus, dass die Staaten informellere Wege der Kooperation beschreiten können ( tacit bargaining ) um ihr Verhältnis zueinander zu stabilisieren.
Das Promotionsprojekt wird sich einer detaillierten Analyse der einseitigen Rüstungskontrolle widmen. Ableitend aus dem Befund, dass formelle und vor allem vertragsbasierte Rüstungs-kontrolle in der Vergangenheit keine Chance auf eine Durchsetzung hatte, gleichzeitig aber ein Bedarf an Rüstungskontrolle besteht, soll unter dem Rückgriff auf die gradualistische Rüstungssteuerung (Thränert 1986) gefragt werden, ob sich einseitige und gradualistische Maßnahmen der Rüstungskontrolle nachweisen lassen. Die Arbeit geht somit deutlich über den Bereich der formellen Rüstungskontrolle hinaus. Ziel ist es, die Praxisrelevanz einseitiger und gradualistischer Maßnahmen bewerten und ihren Wert als Alternativen zu benennen.

Schlagworte

China, Indien, Pakistan, Rüstung, Rüstungskontrolle, Südasien, einseitig
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