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Multimodale Bedrohungskonstruktionen im Klimawandeldiskurs: ein Beitrag zur kritischen Sicherheitsforschung
Projektleiter:
Finanzierung:
Haushalt;
In der aktuellen Debatte zum Klimawandel häufen sich Äußerungen aus Wissen­schaft, Medien und Politik, die den globalen Umweltverän­derungen eine Bedrohungsqualität und Relevanz für sicherheitspolitische Überlegungen zuschreiben. Auf der Grundlage des sprechakttheoretischen Ansatzes der Kopenhagener Schule (securitization theory), wonach die Definition der Parameter Sicherheit und Unsicherheit sprachbasierten gesellschaftlichen Aus­handlungsprozessen unterliegt, widmet sich das Projektvorhaben einer näheren Auseinandersetzung mit dieser 'Versicherheitlichung' innerhalb des Klimawandel-Diskurses.

Da die Deutung klimatischer Veränderungen im öffentlichen Raum passiert und deshalb stets in einem kontingenten Verhältnis zu sozialen Machtstrukturen, Wis­sensordnungen und Interpretationsspielräumen steht, ist das Sicherheitsframing im momenta­nen Klimadiskurs nicht alternativlos. Es repräsentiert lediglich eine, aller­dings in der Öffentlichkeit westlicher Industrienationen momentan diskursdominante, Lesart von vielen. Daneben existieren potentiell unzählige andere Perspektiven auf den Klimawandel (z. Bsp. als natürliche Erscheinung der Erdatmosphäre/  Fortschrittsbremse für Entwicklungsländer/ Strafe Gottes für menschliche Verfehlungen etc.), deren Denkbarkeit jedoch wenn nicht jen­seits so zumindest weit abseits der Mainstream-Perspektive liegt. Mit dem Ansatz der Kopenhagener Schule steht ein Analysemodell zur Verfügung, das die Untersuchung von Prozessen der Versicherheitlichung erlaubt: Danach erlangt eine Thematik den Status als Bedrohungspotential erst, indem sie als solche über den Weg der Sprache definiert und kommuniziert wird.

Im Rahmen der Studie soll auf diesen Annahmen basierend die zentrale Fragestellung adressiert werden: Wie, das heißt durch welche konkreten diskursiven Techniken und Mechanis­men, wird der Klimawandel zu einem Sicherheitsrisiko und damit zum Gegenstand sicher­heitspolitischer Erwägungen und Handlungsorientierung (gemacht)?

Das Projekt trägt dem Fakt Rechnung, dass sich die Vermittlung von Bedrohungsbotschaften angesichts rasanter Entwicklungen in der Medienlandschaft nicht nur auf verbale Kanäle beschränken lässt. Ihr theoretischer Mehrwert liegt daher in einer Erweiterung des für seine Sprachfixiertheit oft kritisierten Kopenhagener Modells um die audiovisuelle Dimension. Im empirischen Teil der Studie soll über eine multimodale Filmanalyse ein Beitrag zur kriti­schen Re-Konstruktion des sicherheitsfokussierten Klimadiskurses geleistet und Perspektiven auf marginalisierte entwicklungs- und friedensfokussierte Sichtweisen auf die globale Erwärmung eröffnet werden.
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