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Multimodale Bedrohungskonstruktionen im Klimawandeldiskurs: Ein Beitrag zur kritischen Sicherheitsforschung
Projektbearbeiter:
Antje Holinski
Finanzierung:
Land (Sachsen-Anhalt) ;
In der aktuellen Debatte zum Klimawandel ist zu beobachten, dass Äußerungen von Wissen­schaftlern, Politikern und Medienvertretern über Tempo und Maß der globalen Umweltverän­derungen zunehmend mit den Etiketten Bedrohung, Gefahr und Risiko verknüpft werden. Auf der Grundlage des sprechakttheoretischen Ansatzes der Kopenhagener Schule, wonach die Definition der Parameter Sicherheit und Unsicherheit sprachbasierten gesellschaftlichen Aus­handlungsprozessen unterliegt, widmet sich das Projektvorhaben einer näheren Auseinandersetzung mit dieser kontemporären 'Versicherheitlichung' des Klimawandel-Diskurses.

Da die Deutung klimatischer Veränderungen in der sozialen Interaktion geschieht und deshalb stets in einem kontingenten Verhältnis zu sozialen Machtstrukturen, Wis­sensordnungen und Interpretationsspielräumen steht, ist das Sicherheitsframing im momenta­nen Klimadiskurs nicht notwendigerweise alternativlos. Es repräsentiert lediglich eine, aller­dings in der Öffentlichkeit westlicher Industrienationen momentan diskursdominante, Lesart von vielen. Daneben existieren potentiell unzählige andere Perspektiven auf den Klimawandel (z. Bsp. als natürliche Erscheinung der Erdatmosphäre/  Fortschrittsbremse für Entwicklungsländer/ Strafe Gottes für menschliche Verfehlungen etc.), deren Denkbarkeit jedoch wenn nicht jen­seits so zumindest weit abseits der Mainstream-Perspektive liegt. Mit dem Ansatz der Kopenhagener Schule steht ein Erklärungsmodell zur Verfügung, das die Definition von Sicherheitsproblemen anhand sprechakttheoretischer Analysekategorien be­leuchtet: Danach erhält ein Ereignis, ein Gegenstand oder Prozess der Lebenswelt die Bedeu­tung einer Bedrohung erst, wenn es über den Weg der Sprache als solche formuliert wird.

Für den gewählten Gegenstandsbereich des Promotionsprojektes ergibt sich daraus folgende zentrale Fragestellung: Wie, das heißt durch welche konkreten diskursiven Techniken und Mechanis­men, wird der Klimawandel zu einem Sicherheitsrisiko und damit zum Bestandteil sicher­heitspolitischer Erwägungen und Handlungsorientierung (gemacht)?

Die Arbeit trägt dem Fakt Rechnung, dass sich die Vermittlung von Bedrohungsbotschaften angesichts rasanter Entwicklungen in der Informations- und Kommunikationstechnologie nicht nur auf verbale Kanäle beschränken lässt ihr theoretischer Mehrwert liegt daher in einer Erweiterung des für seine Sprachfixiertheit kritisierten Kopenhagener Modells um die audiovisuelle Dimension. Aus forschungspraktischer Sicht liefert des Promotionsvorhaben mit dem Vergleich zweier multimodaler Diskursausschnitte nicht nur einen Beitrag zur kriti­schen Re-Konstruktion des sicherheitsfokussierten Klimadiskurses sondern auch zu seiner Kontrastierung mit marginalisierten entwicklungs- und friedensfokussierten Sichtweisen auf die globale Erwärmung.

Schlagworte

Diskurs, Klimawandel, Sicherheit, Sicherheitsforschung
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