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Kommunikative Kompetenz von Menschen mit (vermuteten) kommunikativen Defiziten
Finanzierung:
Haushalt;
Gegenstand ist die Kommunikation von Menschen mit (vermuteten) kommunikativen Defiziten, speziell die von Demenzkranken und von Aphasiekranken. Zugrunde liegt das Konzept der kommunikativen Kompetenz nach Hannken-Illjes. Kommunikative Kompetenz findet immer zwischen Kommunikationspartnern statt; sie ist abhängig von der jeweiligen Kommunikationssituation und dadurch von der jeweiligen Individualität der Partner. Kommunikative Kompetenz ist ein Eindruck, der zwischen Partnern entsteht und demzufolge als wechselseitige Zuschreibung zu fassen ist. Konstitutiv sind wahrgenommene Angemessenheit und Effektivität des jeweiligen Verhaltens. Über Angemessenheit kann nur der Kommunikationspartner urteilen, Effektivität hingegen kann nur vom Sprecher selbst beurteilt werden. Zentral für kommunikative Kompetenz, insbesondere im Zusammenhang mit psychischen und geistigen Erkrankungen, ist die Konstitution von Identität. Erinnerung als Voraussetzung für Identität ist somit gleichzeitig eine Bedingung für kommunikative Kompetenz. Grundlegende Voraussetzungen von kommunikativer Kompetenz bzw. jeder Form von sozialer Kompetenz sind außerdem Empathie und die Fähigkeit zur Perspektivenübernahme. Da die Fähigkeit zur Empathie als Basis für das Verstehen wesentlich für das Vorhandensein kommunikativer Kompetenz ist, zieht eine Störung der kognitiven und emotionalen Selbststrukturen und Prozesse auch eine Störung der kommunikativen Kompetenz nach sich.

Korpus: Untersuchungsmaterial bilden zur Zeit Audioaufnahmen authentischer Gespräche:
-          zwischen Demenzkranken und Gesunden und zwischen Demenzkranken untereinander,
-          zwischen Aphasiepatienten und  Gesunden und zwischen Aphasiepatienten untereinander.   Bei der Analyse der Gesprächsdaten stehen besonders die Komponenten im Mittelpunkt, die das Konzept der kommunikativen Kompetenz ausmachen: Effektivität, Angemessenheit und das Bewusstsein über die eigene Identität als Basis für die Fähigkeiten zur Perspektivenübernahme und Empathie. Da kommunikative Kompetenz nur zwischen Partnern entstehen kann, müssen diese Faktoren stets bei allen Beteiligten zu finden sein.

Vorstudien: Eine Pilotstudie zu geselligen Alltagsgesprächen in einem gerontopsychiatrischen Pflegeheim hat gezeigt, dass kommunikative Veränderungen, wie sie in der Literatur beschrieben werden, in den dokumentierten Kommunikationssituationen nur selten und dann mit sehr geringer Ausprägung festgestellt werden können. Es ist anzunehmen, dass die Ursache hierfür an der Zielstellung dieser Gespräche, der Situationsbewältigung und Beziehungsentwicklung lag. Die Fähigkeit, kommunikative Kompetenz in Situationen entstehen zu lassen, muss deshalb, einen verantwortungsbewussten Kommunikationspartner vorausgesetzt, Personen mit Demenz unbedingt zugesprochen werden. Wenn kommunikative Kompetenz nicht über Exzellenz bestimmt wird, lassen sich Voraussetzungen für kommunikative Kompetenz in den dargestellten Gesprächen Demenzkranker untereinander und mit Gesunden aufzeigen.

Die Kommunikation Demenzkranker mit Gesunden findet auf einem anderen Niveau, mit anderen Zielstellungen und Erwartungen, mit anderen Ergebnissen statt als die Kommunikation Gesunder untereinander. Wie zufrieden der gesunde Kommunikationspartner aus Gesprächen mit Demenzpatienten hervorgeht, liegt zum großen Teil an ihm selbst. Gerade deswegen ist die defizitäre Sicht der Literatur auf die kommunikativen Möglichkeiten Demenzkranker dringend zu überdenken.

Anmerkungen

Forschungskooperation mit Dr. phil. Kati Hannken-Illjes (Universiät Jena)

Schlagworte

Aphasiepatienten, Demenz, Demenzkranke, Gesprächsforschung, Kommunikative Kompetenz, kommunikative Defizite
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