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Filmische Bedrohungskonstruktionen. Eine Theorie visueller Versicherheitlichung am Beispiel der US-amerikanischen Klimawandel-Dokumentationen "An Inconvenient Truth" (2006) und "Before the Flood" (2016)
Projektleiter:
Finanzierung:
Fördergeber - Sonstige;
Im Kontext digitaler Medien und visueller Massenkommunikation widmet sich die Disziplin der Internationalen Beziehungen zunehmend Fragen von Visualität und Repräsentation (Bleiker 2018; Schlag/Heck 2020). Insbesondere im Feld der critical security studies wird die Relevanz von Bildern, Filmen, Fotografien und anderen visuellen Artefakten für aktuelle sicherheitspolitische Diskurse verstärkt untersucht (u.a. Kearns 2017; Hansen 2018; Vuori/ Andersen 2018; Massari 2021). Dabei tritt die Darstellung und mediale Verarbeitung neuartiger Herausforderungen, wie z. Bsp. des internationalen Terrorismus, globaler Pandemien, des Klimawandels oder grenzüberschreitender Migration, verstärkt in den Fokus. Das Dissertationsprojekt verortet sich in diesem wachsenden Forschungsfeld und problematisiert die Rolle von Visualisierungen in der Definition und Kommunikation gesellschaftlicher Unsicherheitsvorstellungen.

Ausgangspunkt ist das sprechakttheoretische Sicherheitskonzept der Kopenhagener Schule, wonach die Deutung von Sicherheit und Unsicherheit nicht entlang objektiver Maßstäbe erfolgt, sondern in diskursiven und machtdurchsetzten Aushandlungsprozessen geschieht (Buzan et al. 1998; McDonald 2008; Stritzel 2014). In der Arbeit wird das Argument vertreten, dass neben Sprache auch Bilder, und im Speziellen bewegte Bilder (Videos und Filme), entscheidend unser Verständnis von Bedrohungen prägen. Aufgrund einer kognitiv andersartigen Verarbeitungsweise wirken Visualisierungen sehr viel eindrücklicher und direkter als reine Textbotschaften. Mit ihrer immersiven Kraft können Bilder und Filme Problemlagen emotionaler vermitteln und in Betrachter:innen Angst und Furcht auslösen. Damit sind sie ein wichtiger Faktor bei der Suche nach politischen Lösungs- und Bearbeitungsmöglichkeiten für aktuelle Sicherheitsherausforderungen.

Das Forschungsdesign der Studie ist interdisziplinär angelegt. Es werden zwei zentrale Ziele verfolgt: Auf theoretischer Ebene wird ein heuristisches Modell entwickelt, mit welchem sich Prozesse visueller Versicherheitlichung analysieren lassen. Dazu werden Theorieimporte aus den Kommunikations- und Medienwissenschaften, visual studies und der Filmtheorie herangezogen, um das ursprünglich auf Sprachhandlungen begrenzte Konzept von Versicherheitlichung zu erweitern. Im empirischen Teil der Studie kommt diese Heuristik anhand zweier Dokumentarfilme zur Anwendung. Der Klimawandel gilt mittlerweile als eine der virulentesten Problemstellungen mit künftigen Auswirkungen auf sicherheits- und außenpolitische Entwicklungen. Die filmanalytische Untersuchung der zwei US-amerikanischen Klimawandel-Dokumentationen "An Inconvenient Truth - A Global Warning” (2006) und "Before the Flood” (2016) liefert erste Einsichten darüber, welchen filmspezifischen Funktionsweisen und Darstellungslogiken eine visuelle Versicherheitlichung unterliegt.

Das Innovationspotential der Studie besteht darin, ein Instrument zur Verfügung zu stellen, anhand dessen sich die mediale Konstruktion von Bedrohungen fassen lässt. Damit trägt die Arbeit dazu bei, aktuelle Sicherheitsdiskurse medienkritisch zu reflektieren und die Wechselwirkung zwischen der visuellen Darstellung und politischen Bearbeitung von sicherheitsrelevanten Themen besser zu verstehen und zu beurteilen.

Keywords: kritische Sicherheitsforschung, Versicherheitlichung, Visualität, Filmanalyse, Dokumentation, Klimawandel
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