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Der Einfluss cerebellärer und nigrostriataler Läsionen auf das posturale System
Projektbearbeiter:
Andreas Lauenroth, Kuno Hottenrott
Finanzierung:
Haushalt;
Hintergrund: Die Messung und Objektivierung sensomotorischer Leistungsmerk- male ist sehr aufwendig und schwierig, da es sich beim sensomotorischen System um ein komplexes, multimodal beeinflusstes und multilokuläres System handelt (Scherer, 1997; Runge, 2002). Fragestellung: Ziel dieser Untersuchung war es, ein neues posturographisches Messsystem (IBS) auf seine interne Validität hinsichtlich der Parametrisierung der posturalen Subsysteme (cerebellär / nigrostriatal) mittels Fourier-Analyse zu prüfen. Methodik: Anhand von zwei Fall-Kontroll-Studien mit M. Parkinsonpatienten (n=52) und Kleinhirnpatienten (n=15) wurde die frequenzanalytische (FFT) Repräsentation der genannten posturalen Subsysteme (zentral, cerebellär-nigrostriatal) quasiexperimentell mittels des IBS überprüft. Ergebnisse/Diskussion: Kleinhirnpatienten wiesen die größte Anzahl signifikant veränderter Frequenzbereiche (10 von maximal 11) als Ausdruck der mannigfaltigen Interaktionen des Cerebellums mit den anderen posturalen Subsystemen auf. Das Cerebellum fungiert gewissermaßen als posturales Integrationszentrum. Im Gegensatz zu den M. Parkinsonpatienten ist einzig der Frequenzbereich F 1 nicht betroffen, was von (großer) differentialdiagnostischer Bedeutung ist. Die Veränderungen in den Frequenzbereichen F 2-4 und F 5-6 bei den Kleinhirnpatienten sind vermutlich auf vestibuläre und somatosensorische Afferenzen zurückzuführen, die vom Vestibulo- bzw. Spinocerebellum verarbeitet werden und ein weiteres Indiz für die Komplexität des posturalen Systems. Bei ganzheitlicher Betrachtung der Ergebnisse der Frequenzanalyse ist festzustellen, dass bei einer somatosensorischen Störung die Frequenzbereiche F 2, F 3 und F 2-4 (Testposition: HB) nahezu unverändert bleiben, wohingegen bei nigrostriatalen (F 2) oder cerebellären (F 3) Pathologien diese Frequenzbereiche signifikant betroffen sind. Demzufolge sollte bei der Interpretation der Untersuchungsergebnisse der Frequenzanalyse nicht nur den signifikanten Veränderungen Aufmerksamkeit geschenkt werden, sondern eine ganzheitliche Betrachtungsweise präferiert werden. Schlussfolgerung: Die Zuordnung der Frequenzbereiche der Fourier-Analyse zu den posturalen Subsystemen stellt einen Schritt zur Quantifizierung sensomotorischer Trainingseffekte dar. Sie sollte jedoch keinesfalls als endgültig betrachtet werden. U.U. sind einzelne Frequenzbereiche auch als Indikatoren für mehrere Systeme in Betracht zu ziehen, was in weiteren Untersuchungen abzuklären ist.

Schlagworte

M. Parkinson, cerebelläre Läsionen, posturales System
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