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"Denn etwas wahrhaft Göttliches ist die menschliche Rede" - Die officia oratoris unter besonderer Berücksichtigung des movere in christlichen Homiletiken des 18. Jahrhunderts
Finanzierung:
Land (Sachsen-Anhalt) ;
Das Promotionsvorhaben befasst sich mit der besonderen Beziehung zwischen Theologie und Rhetorik im 18. Jahrhundert und schließt eine Forschungslücke im Bereich der sektoralen Rhetorik Homiletik und der Fachgeschichte der Rhetorik an der Universität in Halle. Das 18. Jahrhundert wurde vom religiösen und philosophischen Aufbruch geprägt. An der hiesigen Universität, als eine der ersten modernen Anstalten gegründet, wirkten sowohl einflussreiche Pietisten als auch Aufklärer. Der Pietismus forderte eine individuelle Frömmigkeit und den Glauben an einen lebendigen Gott, der einem direkt aus dem Herzen spricht. Dazu sollte die Predigt durch Übertragung bestimmter religiöser Gefühle beitragen. Die Aufklärung wollte eine rein rationale Betrachtung der Welt. Diese Vorstellung sollte auch für die kirchliche Predigt gelten, die Belehrung des Verstandes sollte vor der Erbauung des Willens stehen.

Allerdings werden, damals wie heute, die Gläubigen nicht durch logisch gefolgerte Argumente von der Existenz Gottes überzeugt, sondern durch das Gefühl des Glaubens, das ihnen während der Predigt vermittelt wird. Dies kann nur geschehen, wenn der Prediger auf die Emotionen wirkt und dieses Gefühl sowohl durch seine Worte als auch durch seine Sprechausdrucksmittel überträgt. Das Ansprechen der Leidenschaften wird in der antiken Gliederung als movere bezeichnet. Der Prediger muss also die Wirkungsanteile des movere benutzen, um überhaupt auf die von ihm intendierte Weise zu wirken. Im Pietismus findet man also eine implizite Vorstellung, wie eine Predigt wirken muss, nämlich auf der emotionalen Ebene.

Aufgrund der starken rationalistischen Einflüsse (auch durch die Rückkehr Christian Wolffs nach Halle) und die fehlende Systematisierung der Predigtauffassungen Franckes müsste man davon ausgehen, dass diese Vorstellungen nicht überlebt haben. Die Frage, die in dieser Arbeit untersucht wird, ist, inwieweit sich der Wirkungsaspekt des movere in christlichen Homiletiken des 18. Jahrhunderts findet und in welchem Umfang seine Anwendung gefordert wird. Darüber hinaus beschäftigt sie sich mit der Bedeutung anderer rhetorischer Mittel und Begriffe für die Homiletik des 18. Jahrhunderts. Die Frage ist, ob diese Mittel und Begriffe offen benutzt werden, oder ob versucht wird, das eigentlich rhetorische hinter anderen Begriffen zu ?verstecken?. Der dritte Forschungspunkt sind Beschreibungen von Mitteln des Sprech- und Körperausdrucks und, wenn vorhanden, wie und in welchem Maß deren Anwendung gefordert bzw. empfohlen wird.

Schlagworte

Aufklärung, Emotion, Homiletik, Pietismus, Predigt, Rhetorik, movere, officia oratoris
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