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Biologische Regulierungsmaßnahmen und die Bedeutung von Struktur- und Blütenreichtum für das Vorkommen und die (potentielle) Wirksamkeit von natürlichen Gegenspielern des Eichenprozessionsspinners
Projektleiter:
Prof. Dr. Annett Baasch , M.Sc. Dorit Oelschläger, Anette Bachmann, Dr. Helke Gröger-Arndt, Dr. rer. nat. Johanna Berg
Finanzierung:
Ministerium für Wissenschaft, Energie, Klimaschutz und Umwelt (Sachsen-Anhalt);
Hintergrund und Motivation

Seit Ende des letzten Jahrhunderts ist Deutschland mit zunehmenden Populationsdichten und einer starken Ausbreitung des Eichenprozessionsspinners (EPS) konfrontiert. Eine besonders stark betroffene Region in Sachsen-Anhalt ist der Drömling. Um die durch die Raupen des Eichenprozessionsspinners hervorgerufenen Folgen für die menschliche Gesundheit so gering zu möglich zu halten, werden in stark frequentierten Bereichen (bspw. Ortslagen) verstärkt Bekämpfungsmaßnahmen durch die Gemeinden durchgeführt. Häufig handelt es sich hierbei um das fachgerechte Absaugen der Raupennester oder die Anwendung von entsprechenden Bioziden. Vor allem letzteres ist aus Sicht des Naturschutzes auch in Hinblick auf die Auswirkung auf andere Insektenarten und -gruppen (insbesondere Schmetterlinge) kritisch zu sehen. Maßnahmen zur biologischen Bekämpfung oder Maßnahmen zur Erhöhung der Biodiversität und damit Förderung der natürlichen Gegenspieler des Eichenprozessionsspinners werden aktuell immer noch selten angewendet.

Ziele und Inhalte

Aufbauend auf bisherigen Forschungsergebnissen der Hochschule sollen im Rahmen des Projektes vor allem Untersuchungen zur Wirksamkeit von biologischen Bekämpfungsmethoden fortgeführt und erweitert werden. Das Augenmerk liegt dabei auf Bekämpfungsmethoden die der Förderung von natürlichen Antagonisten des EPS dienen. Da solche Maßnahmen selten systematisch und langfristig durchgeführt werden, sollen vor allem der Einfluss von Brutvögeln auf die Population des Eichenprozessionsspinners sowie das Vorkommen und die Anforderungen von Parasitoiden aus der Gruppe der Insekten untersucht werden. Weiterhin werden Effekte vorhandener Strukturen und aktive Maßnahmen zur Förderung von Arten- und Strukturvielfalt betrachtet.

Maßnahmen zur Förderung von Brutvögeln durch das Anbringen von (Meisen-) Nistkästen zählen zu den alternativen, präventiven und naturnahen Methoden bei der Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners. Vor allem die Kohlmeise erbeutet regelmäßig Raupen des EPS und kann durch das Aufhängen von entsprechenden Nistkästen gefördert werden. Eine vorangegangene zweijährige Untersuchung der Hochschule Anhalt zeigte, dass Flächen mit installierten Nistkästen vergleichsweise wenig Fraß und geringe Nesterbildung durch die Raupen des EPS aufwiesen. Hierauf aufbauend sollen die Wirksamkeit unter Betrachtung weiterer Einflussfaktoren im Drömling weiterhin untersucht und Erfahrungen aus anderen Schutzgebieten, insbesondere aus dem Biosphärenreservat Mittelelbe, recherchiert und integriert werden.

Neben den Vögeln gehören zu den natürlichen Antagonisten des EPS auch Insekten aus unterschiedlichen Organismengruppen, welche als Prädatoren, Parasiten oder Parasitoide auf die unterschiedlichen Entwicklungsstadien des EPS wirken. Zum Vorkommen und zu den Anforderungen von Antagonisten unter den Insekten bestehen jedoch nach wie vor Wissensdefizite. Im Rahmen des Projektes werden vor allem Untersuchungen zum Vorkommen und zu den Anforderungen von spezialisierten Raupenfliegenarten, die sehr bedeutende Gegenspieler darstellen, erfolgen. Durch die Untersuchung verschiedener Strukturen in der Landschaft (v.a. Blühstreifen) sollen Erkenntnisse darüber gewonnen werden, ob und in welchem Maße die Arten auch von diesen Strukturen profitieren.

Grundsätzlich kann davon ausgegangen werden, dass die Gesamtheit der (potentiellen) Antagonisten von vielfältigen Strukturen in der Landschaft positiv beeinflusst wird. Während bei Vögeln spezifische bzw. artangepasste Maßnahmen zur Förderung angewandt werden können (z.B. Nistkastenangebot), können Arthropoden nur durch allgemeine Maßnahmen zum Erhalt und zur Verbesserung entsprechender Lebensraumstrukturen gefördert werden. Zu solchen Maßnahmen gehören z.B. die Anlage von Blühflächen sowie eine extensive Bewirtschaftung angrenzender Bereiche. Insbesondere blütenreiche Strukturen stellen wichtige Lebensräume dar, da sie sowohl Nahrungshabitat als auch Rückzugsort zur Überwindung ungünstiger Perioden sind. Für einen positiven Effekt auf die Populationen von Insekten sollte während der Vegetationsperiode ein durchgängiges Blüten- bzw. Nahrungsangebot vorhanden sein. Im Rahmen des Projektes sollen dementsprechend klein- und großräumige Strukturuntersuchungen durchgeführt und in die Datenauswertung integriert werden sowie Fördermaßnahmen für Antagonisten unter den Insekten, insbesondere Raupenfliegen und Schlupfwespen, ermittelt, untersucht und ggf. dahingehend Maßnahmen initiiert werden.

Als Vergleich zu den im Zentrum stehenden biologischen Bekämpfungsmethoden sollen mit BT-Toxin behandelte Flächen und unbehandelte Kontrollflächen dienen.

Kooperationspartner vor Ort:

Fördermittelgeber:
  • Ministerium für Wissenschaft, Energie, Klimaschutz und Umwelt (Sachsen-Anhalt)

Projektleitung:
  • Prof. Dr. Annett Baasch

Informationen zu weiteren Forschungsprojekten unter der Leitung von Prof. Dr. Annett Baasch finden Sie hier.
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