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Das Bild des Beduinen in der arabischen Schriftkultur: Wahrnehmung der Nomadenkultur und des arabischen Erbes im Mittelalter: Der Beduine in der epischen volkstümlichen Erzählung

Projektbearbeiter:
Thomas Herzog
Projekthomepage:
Finanzierung:
Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) ;
Die volkstümlichen Heldenepen, die sogenannten siyar sha`biya, bieten uns in ihren zwischen Idealisierung und Abgrenzung schwankenden Darstellungen von beduinischen Akteuren Einblick in die Auseinandersetzung des volkstümlichen identitären Diskurses mit den Beduinen und ihrer Lebensform.
Ausgehend von der Sirat Antar sollen Gegenstand und Formen der Darstellungen möglichst auch in andern arabischen Volksbüchern, die mit der Beduinenwelt verbunden sind, insbesondere der Sirat Bani Hilal, aufgenommen werden. Diese Heldenepen, die sich meist an ein städtisches, zum Teil aber auch an ein ländliches, dem Beduinentum verbundenes Publikum richteten, haben ihre entscheidende Formgebung erst seit der Kreuzzugszeit erhalten. Der Arbeitsbereich II führt somit in eine spätere Epoche als Arbeitsbereich I und kann die dort gewonnen Ergebnisse ergänzen.
Bei Monumentalwerken wie der Sirat Antar und der der Sirat Bani Hilal stellt sich von vorneherein die Notwendigkeit, auf der Grundlage von ausgewählten Gesichtspunkten zu einer exemplarischen Erfassung der Darstellung von Beduinen zu kommen. Zunächst werden Äußerungen aus einer vom Geschehen geschiedenen, quasi auktorialen Erzählerperspektive als Passagen, die die Position des Betrachtenden preisgegeben, erfasst. Zweitens werden verschiedene Typen beduinischer Akteure identifiziert, ihre Eigenschaften und charakteristischen Taten notiert. Das Augenmerk richtet sich drittens auf die Kennzeichen der sozialen Gliederung (Edle, Freie, Frauen, Sklaven etc.) und politischen Organisation, insbesondere auf Herrschaftsformen und die Formen der Entscheidungsfindung bzw. -vermittlung, die die Erzählung den beduinischen Verhältnissen zuschreibt. Viertens werden die sozialen Umgangsformen, die in der epischen Erzählungen keinen kleinen Stellungswert haben, aufgenommen. Diese werden nach verschiedenen Handlungszielen (Konflikt, Versöhnung, Verbündung etc.) und nach der sozialen Stratifikation der Akteure unterschieden. Schließlich we rden fünftens Angaben zur beduinischen Kultur, Wirtschaft, Brauchtum, Festen, Glauben, materieller Kultur erfasst.
Das so gewonnene Bild des Beduinen in einigen arabischen Volksepen wird als Konstrukt interpretiert, durch das ein produktives Bild von beduinischen Werten und beduinischer Lebensweise in eine sesshafte, stark urban bestimmte Gesellschaft der Ayyubiden-, Mamluken- und Osmanenzeit integriert und funktionalisiert wird.

Schlagworte

Held, Volksliteratur

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