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Anonymus Casmiriensis (X Jh.), Weg zur Befreiung in 30.000 Versen. 2.Teiledition
Projektbearbeiter:
Susanne Stinner, MA, des. Oliver Hahn, Dr. Roland Steiner, des. Peter Stephan
Finanzierung:
Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) ;
Der Weg zur Befreiung (Mokṣopāya), ein Sanskritwerk im Umfang von30.000 Doppelver-sen eines kaschmirischen Anonymus aus der Mitte des10. Jh.s, begründet auf der Basis phi-losophisch unikaler Ideen einenin der indischen Geistesgeschichte einzigartigenWelterklä-rungsentwurf. Vor Entdeckung und Nutzbarmachung derkaschmirischen Ursprungsrezension wurde dieses nach Form und Inhaltungewöhnliche philosophische Literaturwerk in Indien und Europaausschließlich in einer sehr späten, durch mehrere Redaktionsschübetendenziös veränderten Vulgata-Rezension (Yogavāsiṣṭha) rezipiert, undkonnte demzu-folge in seiner wahren geistesgeschichtlichen Bedeutungnicht erkannt werden. Erst in seiner Einbettung in althergebrachteMythen und Traditionen entfaltete das Werk in Indien seine bis heuteandauernde Wirkungsgeschichte. Doch war es gerade der autoritativeCharakter von Offenbarungsliteratur, gegen den der Autor - alsindischer Frühaufklärer insofern erfolglos geblieben - sich vehementund eloquent argumentierend gewandt hatte. Unkonventionelle Standpunktewie dieser - und dazu gehörte eben auch die bloß menschlicheVerfasserschaft des Werkes - wurden von weltflüchtigen Traditionen undExponenten gläubiger Gottesfrömmigkeit auf dem Wege derhandschriftlichen Überlieferung gezielt verdrängt. Die formale undgeistige Gestalt des Befreiungsweges wurde so aus der indischenWahrnehmung völlig ausgeblendet und geriet allmählich in Vergessenheit.Aufgrund seines Stils und der genialen Neuschöpfung von Erzählstoffen,die zur Veranschaulichung der philosophischen Theorie herangezogenwerden, wäre es den belles-lettres zuzuordnen, seinem Inhalt nach aberals philosophische Welterklärung zu charakterisieren. Sein eigentlichesAnliegen ist eine Anleitung zur Selbstbefreiung aus dem Kreislauf derWiedergeburten, auf der Basis von selbstgewonnener Einsicht, die sichauf von Vernunft angeleiteten Reflexionen über die Natur des Daseinsgründet.Dieses unter den Sprach- und Texttrümmern derumgearbeiteten Fassung verschüttete philosophisch-literarische Monumentdes vormodernen Indien kann nun zum ersten Mal im Originalwortlautwiedergewonnen, und für die Ideengeschichte ein unikalerphilosophischer Kopf zugleich geistreicher Poet gerettet werden. DieDurchführung erfolgt im Teamwork in Form von koordinierterTextherstellung, Kommentierung und englischer Übersetzung.

Schlagworte

Indologie, Kaschmirische Geistesgeschichte, Sanskritliteratur, indische Philosophie
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