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Anonymus Casmiriensis (X Jh.), Weg zur Befreiung in 30.000 Versen. 4.Teiledition
Projektbearbeiter:
Dr. phil. Susanne Krause-Stinner, phil Roland Steiner, Dr. phil. Peter Stephan
Finanzierung:
Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) ;
Der Weg zur Befreiung (Mokṣopāya), ein Sanskritwerk im Umfang von30.000 Doppelversen eines kaschmirischen Anonymus aus der Mitte des10. Jh.s, begründet auf der Basis phi-losophisch unikaler Ideen einenin der indischen Geistesgeschichte einzigartigenWelterklä-rungsentwurf. Vor Entdeckung und Nutzbarmachung der kaschmirischen Ursprungsrezension wurde dieses nach Form und Inhalt ungewöhnliche philosophische Literaturwerk in Indien und Europa ausschließlich in einer sehr späten, durch mehrere Redaktionsschübetendenziös veränderten Vulgata-Rezension (Yogavāsiṣṭha) rezipiert, und konnte demzufolge in seiner wahren geistesgeschichtlichen Bedeutung nicht erkannt werden. Erst in seiner Einbettung in althergebrachte Mythen und Traditionen entfaltete das Werk in Indien seine bis heute andauernde Wirkungsgeschichte. Doch war es gerade der autoritativeCharakter von Offenbarungsliteratur, gegen den der Autor - alsindischer Frühaufklärer insofern erfolglos geblieben - sich vehementund eloquent argumentierend gewandt hatte. Unkonventionelle Standpunkte wie dieser - und dazu gehörte eben auch die bloß menschliche Verfasserschaft des Werkes - wurden von weltflüchtigen Traditionen und Exponenten gläubiger Gottesfrömmigkeit auf dem Wege der handschriftlichen Überlieferung gezielt verdrängt. Die formale und geistige Gestalt des Befreiungsweges wurde so aus der indischen Wahrnehmung völlig ausgeblendet und geriet allmählich in Vergessenheit.Aufgrund seines Stils und der genialen Neuschöpfung von Erzählstoffen, die zur Veranschaulichung der philosophischen Theorie herangezogenwerden, wäre es den belles-lettres zuzuordnen, seinem Inhalt nach aber als philosophische Welterklärung zu charakterisieren. Sein eigentlichesAnliegen ist eine Anleitung zur Selbstbefreiung aus dem Kreislauf der Wiedergeburten, auf der Basis von selbstgewonnener Einsicht, die sich auf von Vernunft angeleiteten Reflexionen über die Natur des Daseins gründet. Dieses unter den Sprach- und Texttrümmern der umgearbeiteten Fassung verschüttete philosophisch-literarische Monument des vormodernen Indien kann nun zum ersten Mal im Originalwortlaut wiedergewonnen, und für die Ideengeschichte ein unikaler philosophischer Kopf und zugleich geistreicher Poet gerettet werden. Die Durchführung erfolgt im Teamwork in Form von koordinierter Textherstellung und Übersetzung.

Schlagworte

Indologie, Kaschmir, Sanskritprimärquellen, Textedition, indische Philosophie
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