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Gewagte Forschung: VolkswagenStiftung fördert Experimente an der Uni Halle
Gewagte Forschung: VolkswagenStiftung fördert Experimente an der Uni Halle
von Tom Leonhardt

Drei innovative und unkonventionelle Projekte der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU) erhalten eine "Experiment!"-Förderung der VolkswagenStiftung. Im Rahmen eines kurzen Forschungsprojekts sollen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler herausfinden, ob ihre Ideen tragfähig sind. Gefördert werden an der MLU Projekte zu Biomarkern für Bio-Lebensmittel, verbesserten Suchalgorithmen und einem neuen Verfahren zur Herstellung medizinischer Wirkstoffe.

Die VolkswagenStiftung fördert die Projekte jeweils 18 Monate mit bis zu 120.000 Euro. Von knapp 600 eingereichten Anträgen wurden nur 29 Projekte für eine Förderung ausgewählt.
Das Programm "Experiment!" der VolkswagenStiftung richtet sich an Projekte aus den Natur-, Technik- und Lebenswissenschaften mit einer möglichst unkonventionellen Idee. Anders als in anderen Förderprogrammen sollen hier gewagte Ideen ganz ohne Erfolgsdruck ausprobiert werden. Das beinhaltet auch die Möglichkeit, dass ein Projekt scheitert. In der aktuellen Runde konnte die MLU gleich drei Projekte einwerben:
Wie sich Bio-Produkte von anderen Lebensmitteln auf der molekularen Ebene unterscheiden, wollen der Bioinformatiker Prof. Dr. Ivo Große und der Bodenkundler Prof. Dr. Bruno Glaser von der MLU erforschen. "Aktuell werden in Deutschland und Europa wesentlich mehr Bio-Produkte verkauft als produziert. Da liegt der Verdacht nahe, dass auf dem Papierweg Lebensmittel falsch deklariert werden", sagt Große. Bisher gebe es aber noch kein zuverlässiges Analyseverfahren, um die Lebensmittel voneinander zu unterscheiden. In ihrem Projekt gehen die Wissenschaftler nun der Frage nach, ob sich ein Biomarker für Bio-Produkte finden lässt. Speziell konzentriert sich Große auf die Frage, ob beispielsweise Dünger oder Pflanzenschutzmittel sogenannte epigenetische Spuren im Erbgut hinterlassen und damit beeinflussen, wie die DNA einer Pflanze funktioniert. "Wenn wir an dieser Stelle Unterschiede zwischen konventionell und ökologisch angebauten Lebensmitteln finden, wäre das ein sicherer Bio-Indikator", so Große.
An einem neuen Ansatz für bessere Suchalgorithmen arbeitet die Mathematikerin Prof. Dr. Rebecca Waldecker von der MLU gemeinsam mit zwei Informatikern von der University of St Andrews in Schottland. "Beim sogenannten Partition-Backtracking werden systematisch Mengen nach Elementen mit bestimmten Eigenschaften durchsucht. Je größer diese Menge ist, desto länger dauert es, bis der Suchalgorithmus zum Ziel kommt", erklärt Waldecker. Das Projekt soll klären, ob die Suchalgorithmen schneller werden und mehr Probleme lösen können, wenn die Suche entlang von Graphen anstelle von Partitionen verläuft. Dazu muss eine neue Theorie entwickelt und die neu implementierten Algorithmen anhand von Experimenten getestet werden. Gelingt das, ließe sich dieses verbesserte Suchverfahren auf viele Probleme, auch außerhalb der Mathematik, anwenden.
Mit einem neuen, extrem einfachen und kostengünstigen Verfahren zur Herstellung medizinischer Wirkstoffe befasst sich der hallesche Biologe Dr. Martin Schattat. Dafür setzt er auf Pflanzen. "Es gibt Pflanzen, die in besonders feuchten Umgebungen Wasser in der Form von Tropfen über die Blätter abgeben. Das macht dann den Eindruck, dass die Pflanzen weinen, weshalb man diese Flüssigkeit auch als Pflanzentränen bezeichnet", so Schattat. In seinem Projekt will er herausfinden, ob sich Pflanzen so manipulieren lassen, dass sie bestimmte Wirkstoffe für Medikamente produzieren und diese über die "Tränen"-Flüssigkeit abgeben. "So könnte man sehr einfach und kostengünstig Wirkstoffe gewinnen. Bisher sind dafür große und teure Anlagen notwendig. Pflanzen benötigen dagegen nur Erde, Wasser und Licht", fasst der Biologe zusammen.
Insgesamt gingen in dieser Runde 594 Projektanträge bei der VolkswagenStiftung für eine "Experiment!"-Förderung ein. Davon wurden zunächst 119 Projekte vorausgewählt und anschließend einer interdisziplinären Wissenschaftsjury vorgelegt. Diese wählte davon die 17 überzeugendsten Projekte aus. Zusätzlich wurden per Los zwölf weitere Projekte bestimmt, die ebenfalls eine Förderung erhalten haben.

weitere Informationen :
Prof. Dr. Ivo Große
Prof. Dr. Rebecca Waldecker
Dr. Martin Schattat
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