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Förderung von europäischen Forschungsprojekten zu neurodegenerativen Erkrankungen: Risiko- und Schutzfaktoren, Längsschnittuntersuchungen an Kohorten und moderne experimentelle Modelle im Rahmen des EU Joint Programme - Neurodegenerative Disease Research (JPND)
Termin:
10.03.2015
Fördergeber:
Bundesministerium für Bildung und Forschung
Die Bekanntmachung umfasst die drei unten dargestellten Themen. Anträge können mehrere dieser Themen umfassen, sofern die relevanten Arbeiten in Ländern ausgeführt werden, die die entsprechenden Themen finanziell unterstützen. Ziel der Bekanntmachung ist die Förderung einer begrenzten Anzahl ambitionierter, innovativer, multinationaler und multidisziplinärer Verbundvorhaben, die einen Mehrwert für das jeweilige Forschungsgebiet erzeugen. Das Gleich­gewicht der Förderempfehlungen zwischen den drei Themen wird durch das Begutachtungsgremium in Abhängigkeit von der Qualität der Anträge erzeugt.

A Thema 1: Genetische, epigenetische und umweltbedingte Risiko- und Schutzfaktoren für neurodegenerative Erkrankungen
Es ist wichtig, die Grundlagen für Risiko- und Schutzfaktoren besser zu verstehen. Hierzu zählen genetische, epigenetische und umweltbedingte Faktoren, die den individuellen Erkrankungsrisiken bzw. der Widerstandsfähigkeit zugrunde liegen, die auslösenden Ereignisse für den Krankheitsausbruch, die Abhängigkeit und das Wechselspiel zwischen diesen Faktoren und die Rolle potenzieller umweltbedingter und verhaltensabhängiger Modulatoren.
Dieses Wissen wird die Identifikation neuer Angriffspunkte für Pharmakotherapien der zweiten Generation unterstützen und letztendlich helfen, Präventionsstrategien zu verbessern.
Ein europaweites Programm wird benötigt für den Vergleich unterschiedlicher genetischer Hintergründe unter Verwendung modernster Methoden und Verfahren, die Zusammenführung von vorhandenem Wissen und Ressourcen, die gemeinsame Nutzung von Infrastrukturen, die Bereitstellung von Methoden für Bioinformatikstudien, und die Schaffung von Kapazitäten für die Analyse von Daten aus Hochdurchsatzverfahren.
Anträge, die zu diesem Thema eingereicht werden, sollten sich auf genetische, epigenetische und umweltbedingte Faktoren konzentrieren. Vorhaben, die überwiegend der Identifizierung neuer Kandidatengene durch Hochdurchsatz-Sequenzierungen dienen, sind von dieser Bekanntmachung ausgeschlossen. Die Vorhaben können die unten dargestellten Aspekte beinhalten, ohne jedoch hierauf beschränkt zu sein:
- Entschlüsselung der zugrundeliegenden genetischen Variabilität von neurodegenerativen Erkrankungen unter Verwendung modernster Technologien, beispielsweise Exom- oder Genom-Sequenzierungen
- Abbildung des regionalen und zeitlichen Transkriptoms, Proteoms oder Epigenoms des menschlichen Gehirns unter Berücksichtigung von Alterungsprozessen und Neurodegeneration
- Untersuchungen zur phänotypischen Variabilität bei neurodegenerativen Prozessen, einschließlich der Rolle des Geschlechts sowie Untersuchungen zu den Gründen und Auswirkungen, die mit einem Krankheitsausbruch zu verschiedenen Zeitpunkten im Alter einhergehen
- Erforschung von Mechanismen, bei denen (neu entdeckte) Risiko-Gene zur Entstehung neurodegenerativer Erkrankungen beitragen
- Forschung zum Verständnis der Wechselwirkung zwischen genetischen und umweltbedingten Faktoren, beispielsweise durch die Entwicklung neuer Konzepte und Methoden zur Identifizierung und Quantifizierung umweltbedingter Risiken für das Auftreten neurodegenerativer Erkrankungen, sowie wirksame Integrationsmöglichkeiten neuer genetischer und molekularer Untersuchungen, beispielsweise in bestehenden Kohorten
- Bestimmung umwelt- und verhaltensbedingter Modulatoren von Alterung und Neurodegeneration mit dem Ziel, protektive oder Risikofaktoren zu identifizieren. Solche Modulatoren können zum Beispiel Ernährung, Kalorienaufnahme, körperliche Aktivität, anthropometrische und adipöse Parameter, Schlafgewohnheiten, soziale Aktivitäten, soziale Netzwerke oder Interaktion, intellektuelle Aktivitäten, Bildung und berufliche Weiterbildung, Freizeitaktivitäten und andere Faktoren des Lebensstils umfassen
- Erforschung genetischer Faktoren, die vor der Entwicklung neurodegenerativer Erkrankungen schützen

B Thema 2: Längsschnittuntersuchungen an Kohorten bei neurodegenerativen Erkrankungen
Aktuelle populations- oder krankheitsbasierte humane Kohorten bieten erhebliche Möglichkeiten, unser Verständnis bezüglich der Risiken zur Entwicklung einer neurodegenerativen Erkrankung sowie den Einfluss auf den Krankheitsverlauf zu verbessern. Solche Kohorten stellen zugleich die Möglichkeit einer langfristig angelegten Plattform zur Durchführung von Präventions- und Behandlungsstudien dar.
Durch dieses Thema soll der wissenschaftliche Fortschritt auf transnationaler Ebene unterstützt werden, indem die Ressourcen vorhandener Kohorten gestärkt oder verwandte Kohorten in einer synergistischen Vorgehensweise miteinander verknüpft werden. Der Aufbau neuer Kohorten kann nicht gefördert werden. Um die erforderliche Bedeutung zu erlangen, müssen die einzureichenden Anträge multizentrisch aufgebaut sein und eine oder mehrere der folgenden Chancen und Herausforderungen adressieren:
- Zusammenführung bestehender Kohorten zugunsten hoher Fallzahlen und der daraus folgenden statistischen Aussagekraft zur Betrachtung von Interaktionen
- Unterstützung der Koordinierung von Datenbanken und/oder Biomaterialbanken durch die Aufstellung einer ausführlichen Bestandsaufnahme von Untersuchungen und Protokollen, die innerhalb der Studien verwendet werden
- Maximierung des Einschlusses von integrierter, gründlicher Phänotypisierung mit dem Ziel, gesundheits-, umwelt- und lebensstilbezogene Daten (inklusive Ernährung) mit biologischen, klinischen und verhaltensbezogenen Messungen zu verknüpfen. Antragstellende sollten hierbei auch die Verwendung von Cerebrospinalflüssigkeit (CSF), PET Bildgebung und neuen Technologien in Betracht ziehen
- Identifizierung früher Biomarker (kognitiv, funktionell und verhaltensbasiert), die den Ausbruch oder den Verlauf von Neurodegeneration vorhersagen. Diese kann die vorausschauende Analyse von Daten beinhalten, die im jungen Alter gesammelt worden sind
- Bezugnahme zur kulturellen Vielfältigkeit, wodurch eine weitere Möglichkeit zur Erforschung von Gen-Umwelt-Interaktionen und von abgeleiteten Aspekten in Bezug auf das Gesundheitssystem besteht
- Gemeinsame Charakterisierung geeigneter Kohorten, damit diese für zukünftige Präventions- oder Behandlungsstudien verwendet werden können
- Verknüpfung der kohortenbasierten Aufzeichnungen zu Probanden mit entsprechenden allgemeinen, medizinischen und sozialen Aufzeichnungen oder Verwaltungsdaten, um die Datensätze entsprechend zu erweitern
- Vereinheitlichung von klinischen Daten bestehender Kohorten mit dem Ziel, die gemeinsame Verwendung der Daten zu vereinfachen
- Entwicklung neuer Informations- und Kommunikations-Technologie-Plattformen mit dem Ziel, die

C Thema 3: Moderne experimentelle Modelle für neurodegenerative Erkrankungen
Neue experimentelle Modelle erlauben eine bessere Krankheitsvorhersage. Dadurch kann die zunehmende Krankheitslast besser vorhergesagt werden und es können innovative Werkzeuge bereitgestellt werden, die den Weg für neue, krankheitsmodifizierende Behandlungen bereiten. Die Komplexität des Forschungsansatzes und die Notwendigkeit, bei der Validierung der jeweiligen Plattform einen Konsens zu erlangen, setzt eine interdisziplinäre Arbeit voraus, in dem die besten Arbeitsgruppen in einem gemeinsamen, transnationalen Ansatz einbezogen werden.
Bereits durchgeführte Studien an experimentellen Modellen haben außerordentlich wertvolle Informationen zur Pathogenese und zur Pathophysiologie neurodegenerativer Erkrankungen geliefert. Dies hat zu großen Fortschritten und zu wichtigen Einblicken geführt, beispielsweise zu den Mechanismen der pathologischen Aggregation von Schlüsselproteinen, zur Herkunft und zum Verlauf neuronaler Schädigungen oder zur Funktion genetischer Faktoren beim Verlust von Nervenzellen. Dennoch konnten durch die Verwendung experimenteller Modelle bisher nur Teilaspekte verschiedener Erkrankungen aufgeklärt werden, während eine Translation hin zu neuen Diagnose-, Präventions- und Behandlungsmöglichkeiten nicht erreicht wurde.
Einige komplexe Elemente müssen beachtet werden, wenn neurodegenerative Erkrankungen im Menschen nachgebildet werden sollen:
- Genetik: Ursächliche Mutationen und verbreitete Varianten, die das Erkrankungsrisiko sporadischer Formen neurodegenerativer Erkrankungen erhöhen
- Umwelt: Umweltgifte, Stress, Soziale Interaktion, Infektionen, Ernährung
- Alterungsprozesse: Stoffwechselstörungen, hormonelle Faktoren, Akkumulation schädigender Anfälle, geno­mische Instabilität, Immunstörungen
Die meisten der derzeit verwendeten Modelle berücksichtigen nur einen dieser Faktoren und bilden daher nicht die Komplexität der Erkrankung ab. Aus diesem Grund soll die Implementierung einer nächsten Generation zuverlässiger und gut charakterisierter Tier- und Zellkulturmodelle für neurodegenerative Erkrankungen unterstützt werden. Dies kann umfassen:
- die Entwicklung neuer Tiermodelle für spezifische Erkrankungen, die die klinische Komplexität der Erkrankung im Menschen besser nachbilden,
- die Verbesserung bestehender Tiermodelle, beispielsweise durch tiefgreifende Charakterisierung der Phäno­typen und Pathologien, und
- die Gewinnung neuer oder die Verbesserung bestehender neuronaler und neuronal-ähnlicher Zellen oder induzierter pluripotenter Stammzellen (iPS) aus unterschiedlichen Quellen.

Gefördert werden können Vorhaben zu den unten genannten neurodegenerativen Erkrankungen.
- Alzheimer Erkrankung und andere Demenzen
- Parkinson und mit Parkinson verwandte Erkrankungen
- Prionenerkrankungen
- Motoneuronerkrankungen
- Huntington-Krankheit
- Spinozerebelläre Ataxie (SCA)
- Spinale Muskelatrophie (SMA)

Der Arbeitsplan soll klar definierte Ziele sowie innovative und ambitionierte Ansätze umfassen. Die Ziele müssen innerhalb einer Zeitspanne von drei Jahren realisierbar sein. Der Mehrwert zu bereits vorhandenen Aktivitäten muss dargestellt werden. Außerdem muss dargelegt werden, inwiefern durch die geplanten Arbeiten das Verständnis für oder die Behandlung von neurodegenerativen Erkrankungen europaweit verbessert werden kann. Die Antragsstellenden müssen aufzeigen, dass sie angemessenen Zugang zu projektrelevanten, gut charakterisierten Patientinnen- und Patientengruppen, Biomaterialien oder den benötigten Infrastrukturen haben. Es wird erwartet, dass vorhandene Daten, Biomaterialien oder Tiermodelle zusammengeführt und gemeinsam genutzt werden. Antragstellende sollten außerdem nachweisen, dass sie die notwendigen fachlichen Qualifikationen und Fähigkeiten besitzen, um die geplanten Untersuchungen durchzuführen und dass angemessene Kollaborationsmöglichkeiten vorhanden sind. Darüber hinaus muss ein Plan zur Arbeitsteilung innerhalb des Konsortiums erstellt werden.
Forschungsverbünde werden nachdrücklich dazu ermuntert, Informationen der durch eigene Forschungsarbeiten generierten Daten, Hilfswerkzeuge und Biomaterialien frei zugänglich zu machen. Die Zugriffsmöglichkeiten auf diese Ressourcen durch andere ausgewiesene Forschergruppen sind an entsprechender Stelle zu regeln.

Kontakt:
Projektträger im DLR
- Gesundheitsforschung -
Heinrich-Konen-Straße 1, 53227 Bonn
Herr Dr. Thomas Becker, Telefon: 02 28/38 21 - 1686, E-Mail: thomas.becker@dlr.de und
Frau Dr. Constanze Hahn, Telefon: 02 28/38 21 - 1865, E-Mail: constanze.hahn@dlr.de

Weitere Informationen:
http://www.bmbf.de/foerderungen/25726.php