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Aktuelle Dynamiken und Herausforderungen des Antisemitismus
Termin:
09.07.2020
Fördergeber:
Bundesministerium für Bildung und Forschung
Mit der Förderung von Forschungsvorhaben zu aktuellen Dynamiken und Herausforderungen des Antisemitismus in Deutschland und Europa will das BMBF dazu beitragen, dass Politik und Gesellschaft diesen Entwicklungen auf Grundlage wissenschaftlicher Erkenntnisse angemessen begegnen und Antisemitismus zurückdrängen können. Dafür bedarf es sowohl einer Stärkung der Grundlagenforschung als auch einer Stärkung der anwendungsorientierten Forschung.

Vorhaben der anwendungsbezogenen Forschung sollen dazu beitragen, konkrete Maßnahmen und Konzepte beispielsweise für die Bildungs-, Präventions- und Deradikalisierungsarbeit, Antidiskriminierungspolitik, Strafverfolgung oder andere relevante Bereiche zu entwickeln. Um die Praxisrelevanz zu erhöhen und den Wissenstransfer zwischen Forschung und Praxis zu stärken, ist eine frühzeitige Einbindung von Praxis- und Anwendungspartnern in die Forschungsvorhaben wünschenswert. Konzepte und Maßnahmen zur nachhaltigen Verankerung und Verstetigung von Erkenntnissen in der Praxis sind gewünscht.

Vorhaben der Grundlagenforschung sollen dazu beitragen, die Ursachen und Wirkungen aktueller Dynamiken und Herausforderungen des Antisemitismus in der Tiefe zu erfassen und zu verstehen. Es wird erwartet, dass die Ergebnisse aus der Forschung in die politische Bildung bzw. in die breite Öffentlichkeit vermittelt werden. Wünschenswert ist zudem, wenn aus den grundlagenbezogenen Forschungsergebnissen politik- und praxisrelevante Handlungsempfehlungen abgeleitet und/oder Ansätze für weiterführende anwendungsbezogene Forschungen entwickelt werden.

Interdisziplinäre und standortübergreifende Vernetzung und Forschungszusammenarbeit:

Gefördert werden Forschungsverbünde, die interdisziplinär ausgerichtet sind bzw. angrenzende Forschungsfelder einbeziehen, wie beispielsweise die Radikalisierungs- und Konfliktforschung, die Migrations- und Integrations¬forschung, die Bewegungsforschung oder die Einstellungs- und Verhaltensforschung. Dadurch sollen breite und vielfältige fachliche Perspektiven auf den Forschungsgegenstand sowie neue Forschungsfragen und neue methodische Zugänge in der Antisemitismusforschung ermöglicht werden.
Außerdem sollen die Verbünde zur regionalen und überregionalen Vernetzung der Antisemitismusforschung beitragen. Gerade auch kleinen Institutionen und Einrichtungen soll dadurch die Möglichkeit gegeben werden, sich zu beteiligen und standortübergreifend zu vernetzen. Die Einbindung internationaler Partner ist in begründeten Einzelfällen durch Fellowships oder die Vergabe von Unteraufträgen grundsätzlich möglich.
Zur Vernetzung des Forschungsfeldes wird das BMBF verbundübergreifende Begleitmaßnahmen durchführen. Es wird die Bereitschaft der Projekte vorausgesetzt, sich aktiv an entsprechenden Aktivitäten zu beteiligen. Das BMBF wird dazu u. a. ein ,,Metavorhaben" innerhalb der Förderlinie ,,Aktuelle Dynamiken und Herausforderungen des Antisemitismus" fördern.

Exemplarische Themen für die Forschung können unter anderem sein:

- Normen und Wertewandel: Gibt es aktuell grundlegende Veränderungen von gesellschaftlichen Werten und Normen, die die Entstehung von Antisemitismus und von gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit begünstigen? Welche Rolle nimmt der erstarkende (Rechts-)Populismus für den gegenwärtigen Antisemitismus ein?

- Medien/öffentliche Diskurse: Welche Rolle spielen Medien, insbesondere die Sozialen Medien, die Sozialen Netzwerke und das Internet, für die Verbreitung von Antisemitismus und welche spezifischen Ausprägungen von Antisemitismus gibt es hier? Welche Zusammenhänge und Dynamiken gibt es zwischen analogen und digitalen Aktivitäten? Welche Präventionsmaßnahmen gegen und welche Reaktionsmaßnahmen auf antisemitische Hassreden in sozialen Medien sind wirksam? Welche gesellschaftlichen und welche politischen Wirkungen haben öffentliche Debatten über Antisemitismus, u. a. auf das soziale Klima und den gesellschaftlichen Zusammenhalt; inwiefern gibt es ,,Gewöhnungseffekte"?

- Gesellschaftliche Aufarbeitung: Wie setzt sich die Gesellschaft mit dem Antisemitismus im eigenen Land auseinander? Welche Selbstverortungen, Erzählungen und Erinnerungen gibt es (etwa in jüdischen und nicht-jüdischen Familien, in Vereinen und Verbänden, in christlich-jüdischen Zusammentreffen oder in der politischen Bildung)? Wie werden diese weitergegeben und was bewirken diese?

- Wechselwirkungen von Antisemitismus mit anderen ,,Ideologien der Ungleichwertigkeit": In welcher Beziehung stehen antisemitische und andere gruppenbezogene Stereotype? Welche Wechselwirkungen gibt es gegebenenfalls mit anderen Phänomen-Bereichen der gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit? Was bedeuten mögliche Überschneidungen von Antisemitismus zu anderen Rassismen für die Entstehung, Verfestigung und Ausbreitung antisemitischer Ressentiments; was bedeutet dies für die politische Bildung und die Präventionsarbeit?

- Gesellschaftliche Milieus und Bevölkerungsgruppen: Welche Ursachen und Dynamiken von Antisemitismus gibt es in den verschiedenen gesellschaftlichen Milieus und Submilieus? Wie verhalten sich diese zueinander? Wie verhalten sich diese innerhalb und zwischen den Generationen? Inwiefern erfolgt eine Generationenweitergabe von Ressentiments? Welche sozialen, kulturellen und welche medialen Kontexte begünstigen oder verhindern Antisemitismus? Welche Unterschiede, Entwicklungen und Überschneidungen gibt es in migrantischen (Sub-)Milieus und in nicht-migrantischen (Sub-)Milieus? Welche aktuellen Dynamiken gibt es in rechts- und linksextremen sowie in salafistischen Gruppen?

- Perspektiven von Jüdinnen und Juden: Wie wird Antisemitismus von Jüdinnen und Juden wahrgenommen? Welche Wirkungen hat er auf Einstellungen, Verhaltensweisen bei Jüdinnen und Juden sowie jüdisches Leben in Deutschland und Europa? Inwiefern gibt es unterschiedliche Bedrohungswahrnehmungen und Bedrohungserfahrungen von Jüdinnen und Juden, etwa in der Stadt und in ländlichen Regionen, von Zuwanderern, etwa aus Russland, und von Alteingesessenen, in verschiedenen Generationen oder gegebenenfalls durch eine verstärkte Manifestation judenfeindlicher Äußerungen im Rentenalter (,,Altersantisemitismus")?

- Institutionen: Inwiefern kann Antisemitismus in staatlichen und nicht-staatlichen Institutionen wie Bildungseinrichtungen (insbesondere Schulen), der Justiz, in Sicherheitsbehörden, öffentlichen Verwaltungen, in Journalismus und ¬Medien, in Unternehmen, Verbänden, Nicht-Regierungsorganisationen etc. empirisch erforscht werden? Welche ¬Bedeutung hat dies gegebenenfalls für die Verfestigung antisemitischer Tendenzen in welchen Personenkreisen, Milieus und Bevölkerungsgruppen? Welche Auswirkungen haben Rechtssprache, Gesetzestexte und Begriffe, insbesondere aus der NS-Zeit, auf antisemitische Tendenzen in der heutigen Gesellschaft? Welche Präventionsmaßnahmen sind hier gegebenenfalls erforderlich?

- Wirkungsforschung: Wie ist die Wirkung von Maßnahmen gegen Antisemitismus zu beurteilen, über die Evaluierung von Einzelprojekten hinaus? Wie zielführend sind beispielsweise in der Bildungs- und Präventionsarbeit gängige, maßgeblich auf die NS-Zeit rekurrierende Bezüge, um sich aktuellen Ressentiments und Vorurteilen wirkungsvoll entgegenstellen zu können? Welche gegenwartsbezogenen Narrative und Präventionsansätze fehlen?

- Europäische und internationale Herausforderungen/Vergleiche: Inwiefern sind aktuelle Dynamiken und Herausforderungen des Antisemitismus ein internationales Phänomen? Gibt es grundsätzliche Unterschiede zwischen Ländern und Regionen? Welche Rolle spielt bspw. der israelbezogene Antisemitismus für aktuelle antisemitische Dynamiken in Deutschland und Europa? Was bedeuten internationale Entwicklungen für den gesellschaftspolitischen Umgang mit Antisemitismus, gerade auch mit Blick auf mögliche gemeinsame, internationale Maßnahmen?

Antragsberechtigt sind Hochschulen, außeruniversitäre Forschungseinrichtungen, gegebenenfalls Unternehmen der gewerblichen Wirtschaft, sowie andere Institutionen und öffentliche sowie private Einrichtungen, die Forschungs¬beiträge liefern können und den Zuwendungszweck sowie die Zuwendungsvoraussetzungen erfüllen. Die Beteiligung von Forschenden aus Kleinen Fächern wird begrüßt. Zum Zeitpunkt der Auszahlung einer gewährten Zuwendung wird das Vorhandensein einer Betriebsstätte oder Niederlassung (Unternehmen) bzw. einer sonstigen Einrichtung, die der Tätigkeit des Zuwendungsempfängers dient (Hochschule, Forschungseinrichtung, Verein, Verband usw.) in Deutschland verlangt.
Die Ergebnisse des geförderten Vorhabens dürfen nur in Deutschland oder dem EWR und der Schweiz genutzt werden.

Das Antragsverfahren ist zweistufig angelegt.

Mit der Abwicklung der Fördermaßnahme hat das BMBF derzeit folgenden Projektträger (PT) beauftragt:
DLR Projektträger
Gesellschaft, Innovation, Technologie
Gesellschaften der Zukunft/Soziale Innovationen
Heinrich-Konen-Straße 1
53227 Bonn
Ansprechpartner sind Frau Dr. Silvia E. Matalik (Telefon: 02 28/38 21-13 67, E-Mail: Silvia.Matalik@dlr.de) und Herr Dr. Cedric Janowicz (Telefon: 02 28/38 21-17 69, E-Mail: Cedric.Janowicz@dlr.de).

Weitere Informationen:
http://www.dlr.de/pt//desktopdefault.aspx/tabid-4270/6848_read-6936
https://www.bmbf.de/foerderungen/bekanntmachung-2924.html
https://www.geistes-und-sozialwissenschaften-bmbf.de/